staunen, nicht ärgern

Nationale Bildungsplattform. Da gehen hin eure Millionen III

Das ist Teil III der Geschichte. Teil eins ist hier https://theatrum-mundi.de/nationale-bildungsplattform-630-millionen-euro-da-gehen-sie-hin-eure-millionen/ und dann Teil II hier https://theatrum-mundi.de/da-gehen-sie-hin-eure-millionen-ii/.

Alles nochmal in Kürze. Das BMBF pumpt, vorraussichtlich, ob das Projekt nach Regierungswechsel weiter verfolgt wird ist fraglich, es könnte also auch wollte pumpen heißen, 630 Millionen Euro in etwas, was es Nationale Bildungsplattform genannt hat. Irgendwie soll das den Zugriff auf digitaler Lernmedien erleichtern, aber irgendwie was völlig anderes sein, also bereits vom BMBF geförderten Plattformen wie https://www.wirlernenonline.de, https://mundo.schule/, die Bildungsplattformen der Bundesländer, 16 Stück an der Zahl, jedes Bundesland hat eine oder eben die tonnenweise vorhandenen Plattformen privater Anbieter ( teiliweise ebenfalls vom BMBF gefordert). Diese ermöglichen aber nur das Auffinden digitaler Lernmedien, wobei die so schrottig sind, dass alle Leute zu google greifen, und das BMBF will das nun, keiner weiß wie, auf eine ganz neue Stufe heben. Irgendwie soll man über diese Plattform Kenntnisse zertifizieren können, seine Bildungskarriere hinterlegen können, neue Tools sollen geschaffen werden, die Kooperation zwischen Anbietern soll gestärkt werden, das ganze soll irgendwie gesamteuropäisch sein etc. etc..

Allerdings scheint das BMBF exakt Null Plan zu haben, wie das konkret aussehen soll, wie man den Antworten auf die Anfrage entnehmen kann. Günstig ist, dass sich der Mitarbeiter beim BMBF um eine didaktische Aufbereitung bemüht hat, man braucht das Antwortschreiben nur hier einblenden. Die Fragen des Autors stehen noch da.

Ob nach dem Regierungswechsel das Projekt weitergeführt wird, ist unklar. Interessant wäre zu wissen, wie viel Geld bislang schon verbrannt wurde. Vielleich ist man beim BMBF aber nach dem Regierungswechsel auskunftsfreudiger.

Was zeigt uns der Vorgang? Der Vorgang zeigt uns, dass wir ziemlich dringend eine Verschärfung des Informationsfreiheitsgesetzes brauchen.

Zuerst das gesamte Schreiben am Stück, anschließend der Kommentar.

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Pfisterer, Stephan /PGDB –
Bundesministerium für Bildung und Forschung

Herrn
Andrés Ehmann
infos24 GmbH
Stephanstraße 11
10559 Berlin

Betr.: Anfrage „nationale Bildungsplattform [#224269]“

Sehr geehrter Herr Ehmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage v. 03.07.2021. Rein vorsorglich weise ich darauf hin, dass sich die Anfrage aus hiesiger Sicht nicht auf amtliche Informationen i.S.d. IFG bezieht und es sich damit nicht um einen Antrag handelt, der nach IFG (oder UIG bzw. VIG) zu bescheiden wäre.

Wir beantworten Ihre Fragen gerne wie folgt:

1) Könnten Sie mir bitte mitteilen, aus welchen konkreten Daten sich die Notwendigkeit einer solchen Nationalen Bildungsplattform ergibt oder anders formuliert, wieso das BMBF davon ausgeht, dass es eine Nachfrage gibt nach den durch die Nationale Bildungsplattform angebotenen Dienstleistungen.

Antwort:
Die Vorteile gemeinsamer Standards und Strukturen ergeben sich aus der Vielfalt digitaler Lehr-Lern-Angebote in allen Bildungsbereichen. Nicht zuletzt die Aussetzung von Präsenzveranstaltungen in Schulen und Hochschulen haben deutlich gemacht, dass ein höherer Grad an Vernetzung im Bildungsbereich zu mehr wahrnehmbaren Angeboten und einer höheren Grad an Funktionalität und Ausfallsicherheit beitragen kann. Zudem geht es aus Sicht des BMBF um einen höheren Stellenwert der Nutzendenzentrierung und Datenselbstsouveränität im Bereich der digitalen Bildung. Diesen Kriterien kann nur durch die Herstellung eines übergreifenden Bezugsrahmens für Anbieter digitaler Bildungsangebote entsprochen werden.

2) Könnten Sie mir bitte mitteilen, welche Organisationseinheit beim BMBF das Konzept zur nationalen Bildungsplattform entwickelt hat.

Antwort:
Erste Überlegungen zu einer Nationalen Bildungsplattform wurden abteilungsübergreifend bis Oktober 2020 insbesondere durch Personen aus der Abteilung 1, 3 und 4 des BMBF zusammengeführt.
Mit Wirkung v. 01.11.2020 wurde in der Abteilung 3 die Organisationseinheit „Projektgruppe Nationaler Digitaler Bildungsraum“ etabliert, die die Konzeptionierung der Nationalen Bildungsplattform federführend übernommen hat. Die bis zu diesem Zeitpunkt eingebundenen Organisationseinheiten begleiten das Vorhaben weiterhin durch einen regelmäßigen Informationsaustausch.

3) Waren bei der konzeptionellen Entwicklung der nationalen Bildungsplattform auch Unternehmen aus der Privatwirtschaft beteiligt und wenn ja, welche?

Antwort:
An der bisherigen Konzeption der Nationalen Bildungsplattform waren keine Vertreter aus der Privatwirtschaft beteiligt. Die bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt entwickelten Vorstellungen bzgl. Struktur und Funktion der Nationalen Bildungsplattform wurden jedoch in mehreren Verbänden und Einrichtungen präsentiert. BMBF konzipiert zudem einen strukturierten Stakeholder-Dialog, um Bedarfe div. Anspruchsgruppen, darunter auch die von privatwirtschaftlichen Institutionen, zu berücksichtigen.

4) Mit der Projektleitung für die Entwicklung der Prototypen der Nationalen Bildungsplattform wurde die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH beauftragt. Könnten Sie mir bitte mitteilen, warum das BMBF die Projektleitung nicht selber übernommen hat.

Antwort:
Förderprogramme und komplexe Vorhaben, die von Bundesministerien initiiert werden, werden aus Gründen der Wirtschaftlichkeit i.d.R. von Projektträgern administrativ und fachlich begleitet. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass innerhalb der obersten Bundesbehörden nicht fachlich hochgradig spezialisiertes Personal für zeitlich befristete Vorhaben dauerhaft vorgehalten werden muss.

5) War die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH bereits an der konzeptionellen Entwicklung der Nationalen Bildungsplattform beteiligt?

Antwort:
Der VDI/VDE Innovation + Technik hat seit November 2020 insbes. auf organisatorischer Ebene Vorarbeiten der Projektgruppe Digitaler Bildungsraum unterstützt. Die entsprechenden Leistungen wurden für einen begrenzten Zeitraum auf Grundlage bestehender Rahmenverträge erbracht.

6) Erfolgte bzgl. der Beauftragung der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH eine Ausschreibung.

Antwort:
Die Beauftragung des VDI/VDE Innovation + Technik erfolgte aufgrund einer europaweiten Ausschreibung, die am 19.04.2021 auf der Plattform „Tenders Electronic Daily (TED)“ (https://ted.europa.eu/) veröffentlicht wurde. Der Zuschlag wurde am 08.07.2021 erteilt.

7) Wie ergibt sich der Betrag 630 Millionen Euro?

Antwort:
Der Betrag ergibt sich aus kalkulatorischen Abschätzungen für die Aufwände, die sich aus Konzeption, Implementierung und Ausbau einer Vernetzungs- und Interoperabilitäts¬plattform für sämtliche Bereiche des Bildungssystems (insbes. Schule, Hochschule, Berufliche Bildung und Weiterbildung) sowie den Anschluss bestehender und die Herstellung der Kompatibilität neuer Angebote im digitalen Bildungsraum sowie der europäischen Anschlussfähigkeit des entstehenden Gesamtsystems ergeben.

8) Gibt es bereits konkrete Angaben, wie der Zielerreichungsgrad der Nationalen Bildungsplattform konkret gemessen wird, wenn sie einmal fertig gestellt ist?

Antwort
Für die Nationale Bildungsplattform entstehen im Sinne eines Ideenwettbewerbs ab dem 20.09.2021 drei – einschließlich des im Vorgriff realisierten Prototyps ‚BIRD‘ vier – Plattform-Prototypen. Die Evaluation dieser Prototypen mündet 2022 in einen Beschaffungsvorgang für eine Nationale Bildungsplattform. Erst in diesem Zusammenhang können messbare Ziele einer entsprechenden Infrastruktur definiert werden.

9) Die Nationale Bildungsplattform will eine einheitliche Struktur schaffen, an die sich alle im Bereich Weiterbildung tätigen Unternehmen anbinden können. Gibt es konkrete Vorstellungen, warum diese Unternehmen dies tun sollten, also welche konkreten Vorteile sich hieraus für die Unternehmen ergeben.

Antwort:
Aus Sicht des BMBF bietet die Nationale Bildungsplattform Bildungsanbietern unter anderem die Möglichkeit,
– individuelle Angebote für große Nutzergruppen zugänglich zu machen;
– digitale Nachweise über die Lernergebnisse ihrer Weiterbildungsangebote auszustellen;
– bildungsbereichsübergreifende Angebote zu konzipieren und mit Partnern im Digitalen Bildungsraum zu kooperieren;
– auf der Basis gemeinsamer Kompetenzbeschreibungen, Werkzeuge und Tools mit anderen Anbietern zu kooperieren und Spezialisierungen vorzunehmen;
– das Plattform-Ökosystem um die Nationale Bildungsplattform für Kollaboration und Kooperation mit zahlreichen Technologie- und Anwendungspartnern zu nutzen;
– Angebote, Prozesse und Strukturen weiterzuentwickeln und eine aktive Rolle bei der Weiterentwicklung von Bildungsplattform und Bildungsraum spielen.
Anbieter sind eingeladen, weitere Use Cases zu definieren und im Kontext der Nationalen Bildungsplattform zu realisieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Stephan Pfisterer

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Bei den Antworten fragt man sich, was für ein Kraut man eigentlich beim BMBF raucht. Die Zusammenfassung sähe so aus. Man plant bzw. plante zwar 630 Millionen Euro auszutüten, hat aber Null Plan für was. (Wobei wir natürlich gerne wüssten, wieviel Geld schon ausgetütet wurde. Da hat der Autor nochmal nachgehakt.) Gehen wir das mal durch.

ad 1) Frage nach dem Bedarf einer solchen Plattform.

Antwort

Die Vorteile gemeinsamer Standards und Strukturen ergeben sich aus der Vielfalt digitaler Lehr-Lern-Angebote in allen Bildungsbereichen. Nicht zuletzt die Aussetzung von Präsenzveranstaltungen in Schulen und Hochschulen haben deutlich gemacht, dass ein höherer Grad an Vernetzung im Bildungsbereich zu mehr wahrnehmbaren Angeboten und einer höheren Grad an Funktionalität und Ausfallsicherheit beitragen kann. Zudem geht es aus Sicht des BMBF um einen höheren Stellenwert der Nutzendenzentrierung und Datenselbstsouveränität im Bereich der digitalen Bildung. Diesen Kriterien kann nur durch die Herstellung eines übergreifenden Bezugsrahmens für Anbieter digitaler Bildungsangebote entsprochen werden.

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