staunen, nicht ärgern

Theodor Storm und Werner Mölders

Das ist aber alles gar nicht der interessante Punkt. Der interessante Punkt ist das: Mit irgendwas im Wesen von Werner Mölders „identifiziert“ sich die Fangemeinde und irgendwas an dieser Gestalt sollte, bevor Peter Struck dem Schauspiel ein Ende bereitet hat, vorbildhaft für die Bundeswehr sein. Die Frage ist nur was? Rein formal gewesen, von der Tatsache, dass er gut fliegen konnten, abgesehen, war Werner Mölders ja eine völlig triviale Figur. Tapfere Soldaten die sinnfrei für Volk und Vaterland gestorben sind, gibt es ja millionenfach.

Identifikation ist ein Begriff, der sich auf „innerseelische“ Vorgänge bezieht, siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Identifikation_(Psychologie). Der Begriff entzieht sich der verbalen Beschreibung auch wenn alle Leute durch Introspektion den Vorgang nachvollziehen können. Die Identifikation kann sich auf alles mögliche beziehen, auf Werke der Literatur, auf Werke der Musik, auf Menschen, Gemälde, etc.. Es ist ein Misch aus Wertvorstellungen, ästhetischen Wahrnehmungen, Verhaltensweisen etc. die übernommen werden. Die Identität als Ergebnis der Identifikation kann also ein recht komplexes, schillerndes und buntes Gebilde sein. Ist allerdings Werner Mölders die Identifikationsfigur, dann ist die Identität so kahl wie die Landschaft auf dem Mars, denn an der Figur ist einfach nicht Komplexes dran, mit dem man sich identifizieren könnte.

Mit Figuren wie Goethe, Mick Jagger, Virginia Woolf, Freddy Mercury, Franz Marc, Che Guevara, Nelson Mandela etc. etc., es gibt ja Tausende davon, die irgendwas machen, was die Menschheit beschäftigt, begeistert, berührt, kann man sich identifizieren, partiell oder zur Gänze, weil sie etwas machen oder machten, was in einem gegebenen Kontext anschlussfähig ist, wenn ein Kontakt zum tobenden Leben besteht. Werner Mölders ist so kahl wie der Mond, anschlussfähig ist er nur eine Traumwelt, wo tapfere Soldaten sich gegen die Übermacht des Feindes wehren müssen, wobei selbst diese Identifikation nur möglich ist, wenn man die historischen Fakten ausblendet.

Unter Umständen ist das der Weg, über den sich das Geheimnis partiell lüften lässt. Findet eine Identifikation mit eigentlich äußerst kargen Gestalten statt, bzw. mit Vorstellungen, die in der realen Welt bedeutungnslos sind, dann ist die Erfahrungsfähigkeit wohl sehr eingeschränkt, die Identifikation ist nur in einer Scheinwelt möglich, in der an sich belanglose Dinge, bzw. Dinge die schlicht nicht existieren, Bedeutung haben. Für die Identifikation braucht es einen Bezugsrahmen, innerhalb dessen das, womit man sich identifiziert, eine Bedeutung hat. Ist dieser Bezugrahmen nun sehr eng bzw. so kahl wie der Mars, dann ist die Identifikation mit Dingen möglich, die rational nicht mehr erklärt werden können.

Das war jetzt der Versuch des Autors zu erklären, warum tief bewegte Gemüter am Heldengrab ihres ritterlichen Soldaten Kränze niederlegen. Die sehen sich, der Autor vermutet, das sind überwiegend Angehörige der Bundeswehr, in der Tradition des tapferen Soldaten, der heldenhaft sein Vaterland verteidigt, selbst wenn dieses den Rest der Welt in Schutt und Asche legt.

Einen anderen Fall haben wir in der Ukraine. Die Ukrainer, auch die Russischsprachigen, wollen partout nicht von Russland befreit werden. Die wollen Demokratie, Rechtstaat, Freiheit. Das sind Werte. Die kann man verteidigen. Beim Vaterland kommt es vor allem darauf an, was selbiges gerade anstellt. Genau das, war Werner Mölders aber offensichtlich so egal wie seinem Fanclub. Denen fehlt was.

Der eine fragt: Was kommt danach?
Der andre fragt nur: Ist es recht?
So also unterscheidet sich
der Freie von dem Knecht.

(Kann man sich mit identifizieren !!)

 

 

 

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