staunen, nicht ärgern

Was ist eigentlich ein Militär?

Ein Militär oder ein Angehöriger des Militärs ist ein Mensch, der sich ständig verstricken lässt in Spiele, die er nicht versteht und sich hinterher verarscht fühlt. Das geht nun schon so seit 2500 Jahren. Der listenreiche Odysseus hatte ja was von der Eroberung Troyas, immerhin ist er jetzt berühmt. Aber der Rest der Mannschaft, die sich dort wegen dem Weibsbild hat abschlachten lassen, wäre besser daheim geblieben.

Das allerneueste Beispiel hierfür ist Afghanistan. Das Schauspiel betrachtet der Autor nun schon seit 40 Jahren. Unmittelbar nachdem er von Afghanistan zurückgekommen war, da hat er als Kind mal eine zeitlang gelebt, kamen irgendwelche Mudjaheddin an seine Penne und predigten den afghanischen Freiheitskampf. (Warum konkret ist dem Autor entfallen, vermutlich ging es um Spenden.) Der Autor kannte da schon Khost / Afghanistan und der Freiheitskampf, also damals gegen die Sowjetunion, war ihm da nicht ersichtlich. Freiheit muss man ja irgendwie an was Konkretem festmachen, also Recht auf freie Berufswahl, freie Presse, Recht auf freie Religionsausübung, Gleichheit von Mann und Frau etc.etc.. Die Situation in Khost / Pakthia war und ist wohl weitgehend heute noch so die: Die Leute sind Bauern oder Bazaris oder einfache Handwerker, also die Optionen sind da ganz beschränkt. Mit der freien Presse wird das auch nix, denn die meisten können gar nicht lesen, freie Religionsausübung ist da eine brandgefährliche Geschichte, also wer da zur Konkurrenz geht, der läuft Gefahr gesteinigt zu werden und Frauen haben mal ganz grundsätzlich gar keine Rechte. Also das ist keine neue Idee der Taliban, das war war schon vor vierzig Jahren so. Vereinfacht könnte man sagen, die Sowjetunion war der Freiheitskämpfer. Bei allem Respekt vor Ahmad Schah Massoud, der war unstrittig ein Intellektueller, aber ein Tadschicke und ob der die Paschtunen kannte, weiß der Autor nicht, aber dass es Zoff gibt mit den Taliban aus Paschtunistan, den er ja dann tatsächlich hatte, das hätte ihm der Autor glatt vorhersagen können.

Die anschließende Diskussion mit den Freiheitskämpfern, bei Anwesenheit der Lehrer, hat dann den Autor zum ersten Mal zweifeln lassen am Verstand des Leerkörpers (!). Die haben ja eigentlich einen Job, also nicht nur die Freihet tapfer zur verteidigen, also Werte zu vermitteln, sondern obendrein sollen sie ja die Kids auch dazu bringen, den Raum, den diese bietet auch zu nutzen. Die Empörug dieser Jungs und Mädels war aber gewaltig. Dass man am Sinn des Freiheitskampfes in Afghanistan zweifeln konnte sorgte schon für gewaltiges échauffement und belehren konnte man die auch nicht.

Last not least. Hätte Pakistan und die USA Ahmad Schah Massoud mit Waffen versorgt und nicht die verrückten Taliban, wäre das vielleicht was geworden. Ahmad Schah Massoud war eine echte Alternative zur Sowjetunion. Bzgl. der Taliban war die Sowjetunion eindeutig die bessere Option.

Der Autor hat sich dann in andere Weltgegend wegbewegt und das Thema etwas aus den Augen verloren und es rückte erst wieder in den Fokus, als alles, was der deutsche Staat an Beamten zu bieten hat, nach Afghanistan geschickt wurde. Eben auch die Bundeswehr. Die Strategie war das: Wir fliegen die jetzt mal hin, ballern ein bisschen rum und schauen was passiert. Und was ist nach 20 Jahren und zehn MILLIARDEN EURO (also das ist fett Kohle) passiert? Nix. Auch das, also dass der ganze Einsatz nichts bringen wird, wusste der Autor schon vor zwanzig Jahren. Die Prognose war auch nicht schwierig, denn schon als vierzehnjähriger Schüler konnte man die Entwicklung absehen.

Mal kurz zusammengefasst. Die Taliban haben etwa 60 000 Mann unter Waffen, die afghanische Armee zusammen mit der Polizei 300 000, also das Fünffache. Die afghanische Armee wurde jetzt von den Oberfeldwebeln aus Unterpfaffenhhofen „ausgebildet“, also wie man im Gleichschritt auf dem Kasernenhof Runden dreht. Das scheint aber nicht besonders praxisrelevant zu sein, denn die Taliban erobern eine Stadt nach der nächsten. Der Autor vermutet, das lief ähnlich ab, wie die Weiterbildungskurse vom Arbeitsamt, da hat der Autor mal eine zeitlang Lehrer gespielt, aber die Lehrpläne waren so verquast, dass das an der Praxis vollinhaltlich vorbei ging. So ähnlich stellt sich der Autor die Weiterbildung der afghanischen Armee vor. Da schickt man irgendeinen Oberfeldwebel aus Unterpfaffenhofen in ein Land, dessen Sprache er nicht spricht, von dem er keine Ahnung hat, damit der den Afghanen, die wenn sie wollen ganz ohne Bundeswehr die größte konventionelle Streitmacht, also die Sowjetunion nach Hause schickte, erklärt, wie man im Kreis marschiert. Also ganz ehrlich. Das konnte wohl nix werden.

Mal zum Vergleich. Die Entwicklungshelfer, die nach Khost geschickt wurden, hatten eine klaren Plan, was sie dort machen sollten und wurden volle neun Monate geschult, auch die Sprache, in diesem Falle Paschto.

Irgendein Staatsekretär muss dann noch auf die Idee gekommen sein, da deutsche Polizisten hinzuschicken, damit die den Afghanen beibringen, wie man Führerscheine und Pässe prüft. Der Autor vermutet jetzt, dass in Khost kein Mensch eine Pass hatte und Auto kann jeder fahren, der den Lenker halten kann. Immerhin wurden auch die dringlichsten Probleme in Angriff genommen. Siemens installiert z.B. eine Ampelanlage in Kabul, die allerdings mangels Strom nie funktionierte.

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