staunen, nicht ärgern

Das IS – LM Modell und sparen

Das IS-LM Modell ist das Standardmodell mit dem weltweit an allen Universitäten weltweit in allen Lehrbüchern die Theorie von Keynes dargestellt wird. Es soll eine neoklassische Synthese sein und da es prüfungsrelevant ist, gibt es natürlich ohne Ende videos, die das erklären, z.B hier https://www.youtube.com/watch?v=BJzInrP33SE. Total prüfungsrelevant, musste wissen, nur leider ist das Modell kompletter Blödsinn, auch wenn es richtig clicks hat. Videos die sich damit kritisch, wie dieses hier, https://www.youtube.com/watch?v=Vbu-VAsH1Hg auseinandersetzen und wesentliche Kritikpunkte nennen, sind nicht prüfungsrelevant und haben folglich auch weniger clicks.

 

Fassen wir das mal kurz und bündig zusammen. Bei dem Modell hängt die Investion vom Zinssatz ab, der als exogene Variable vorgegeben wird. Also je niedriger der Zins, desto mehr wird investiert. Was die einen investieren, müssen die anderen aber sparen, das ist der neoklassische / klassische Teil des Modells, siehe https://www.economics-reloaded.de/pdf-Dateien/Keynes_Buch.pdf, wobei man hier ein keynesches Element erkennen kann. Sparen kommt also nicht dadurch zustande, das wäre klassisch / neoklassisch, dass manche Leute was in die Sparbüchse werfen und es dann, via Bank, an die Leute vergeben, gegen einen Preis, nämlich den Zins, die damit investieren wollen, sondern über eine Ausdehnung des Volkseinkommens.

Was hat man sich darunter konkret vorzustellen. Jemand will z.B. in eine Kran investieren der 1 Million Euro kostet (inklusiv der Zinsen, die er zahlen muss, bis der Kran schrottreif ist und nicht mehr aufgestellt werde kann, weil er bei Sturm umfallen würde). Foglich holte er sich das Geld von der Bank, die es wiederum, wenn sie nicht flüssig ist, von der Zentralbank holt, die selbiges wiederum druckt. Der Verleih des Krans ist jetzt Bombenbusiness und er macht mit dem Kran, bis dieser schrottreif ist, 2 Millionen Euro Umsatz. (Von allen anderen Kosten sehen wir ab, die übernehmen eh die Firmen, die das Teil ausleihen.) Er macht also 1 Million Gewinn. Das heißt von dem ZUSÄTZLICHEN Einkommen, das ja ohne die ursprüngliche Investition gar nicht zustande gekommen wäre, muss er eine Million an die Bank zurückzahlen, die wiederum ihre Schulden bei der Zentralbank bezahlt, die wiederum die zusätzlichen Scheine im Kamin verfeuert. (Das muss sie tun, andernfalls hätten wir eine unendliche Ausdehnung der Geldmenge.)

Die Frage ist, hat unser erfolgreicher Unternehmer jetzt gespart? Spart man, wenn man mit einem Teil des zusätzlichen Einkommens die Schulden bezahlt ?

Mit viel gutem Willen kann man also aus dem IS-LM Modell einen zentralen Gedanken der keynesschen Theorie herauslesen, ZUERST wird INVESTIERT und DANN gespart, aber eigentlich hat das mit Sparen gar nichts zu tun und ist geradezu diametral entgegengesetzt, denn Sparen, im klassischen Sinn, ist in der keyneschen Theorie, aus vielerlei Gründen, schlicht unmöglich:

Solange nur einzelne sparen, bricht die Wirtschaft nicht zusammen. Fangen aber alle an zu sparen, dann wird das zum Problem. Was dem einen sein Sparen, ist dem anderen eine Einbuße an Umsatz und wenn die Unternehmen feststellen, dass der Umsatz zurückgeht, dann investieren die gar nicht mehr, nicht mal bei Null Zinsen. Für den einzelnen ist es durchaus eine Option, sich von Wasser und Brot zu ernähren, unter der Brücke zu schlafen und auf Auto, Smartphone, Mallorca etc. zu verzichten. Machen das aber alle, dann spart niemand mehr, denn dann sind alle arbeitslos.

Weiter ist es schlicht unmöglich für eine unbestimmten Bedarf in ungewisser Zukunft zu investieren und die Rente wird dadurch auch nicht sicher. Es nützt den heute 25 jähringen nix, wenn sie jetzt in der Hoffnung sparen, sich in dreißig Jahren Brötchen kaufen zu können. Wenn in dreißig Jahren niemand da ist, der Brötchen backt, dann gibt es keine Brötchen. Eine Gesellschaft kann immer nur das verknuspern, was in der entsprechenden Periode produziert wird. Wie viel vorher angespart wurde, ist vollkommen egal.

Fazit: Das Modell erkennt zwar in der fallenden IS Kurve, dass der Sparen vom Einkommen abhängt, aber a) fehlt der zentrale Gedanke, ZUERST wird investier und DANN gespart und b) ist der Name hochgradig irreführend, weil IS Kurve heißt Investition – Sparen Kurve, aber es wird bei Keynes nicht gespart, es wird nicht, wie in der klassisch / neoklassischen Theorie, irgendwas in eine Sparbüchse geworfen. Und das passiert nicht, weil es makroökonomisch Unsinn ist.

Das Problem an der IS Kurve ist, dass die Studenten den ganz entscheidenden Punkt der keynessche Theorie mit diesem Modell nicht verstehen können. Sparen ist ein Begriff aus der klassisch / neoklassischen Theorie und bedeutet Verzicht auf Konsum, was der Kapitalbildung förderlich sein soll, wobei allerdings zwischen beiseite gelegtem Kapital und beiseite gelegtem Geld nicht unterschieden wird. Bei Keynes werden Investitionen aber mit GELD finanziert, was unter Umständen frisch aus der Druckerpresse kommt und solange mit dem Produktionsapparat ein entsprechender Gegenwert geschaffen werden kann, der dem zusätzlich gedruckten Geld entspricht, gibt es auch überhaupt keine Probleme, im Gegenteil, mit Geld kann man ein Produktionpotential wachküssen.

Noch kurioser ist die LM Kurve. Die LM Kurve suggeriert, dass bei niedrigem Volkseinkommen der Zins niedrig ist, wobei von einer gegebenen Geldmenge ausgegangen wird. (Was an sich schon Blödsinn ist. Die Zentralbanken orientieren sich beim Zinssatz an makrökonomischen Größen, Inflation, Leistungsbilanz, Wachstum, Arbeistlosigkeit. Die Höhe des Volkseinkommens ist der Zentralbank schlicht völlig egal. Das heißt, wie viel Geld die Zentralbank in den Markt pumpt, hat mit dem Volkseinkommen gar nix zu tun.) Ist das Volkseinkommen niedrig, braucht es wenig Geld , um dieses Volkseinkommen umzusetzen und folglich steht, vereinfacht ausgedrückt, mehr Geld zum Ausleihen zur Verfügung. Steigt das Volkseinkommen, wird immer mehr Geld für Transaktionszwecke gebraucht und der Zins steigt. Da wo sich IS Kurve und die LM Kurve schneiden, haben wir dann ein Gleichgewicht auf dem Güter und dem Geldmarkt.

So kommt man dann zu dem witzigen Hin- und Herschieben von Kurven, was ja die wesentliche Tätigkeit von Wirtschaftswissenschaftlern ist, das geht dann über mehrere Semester. Investiert der Staat, wird beim gleichen Zinssatz mehr investiert, die IS Kurve verschiebt sich nach rechts. Solange aber der Zins nicht steigt, werden private Investitionen nicht rausgeballert. Irgendwann ist dann aber der Punkt erreicht, wo die gesamte, als gegeben angenommene Geldmenge, zu Transaktionszwecken verwendet wird, also der Zins steigt, so dass keine privaten Investitionen mehr möglich sind.

Unerklärt bleibt die Frage, warum die Zentralbank die Wirtschaft abwürgen soll. Vermutlich wird davon ausgegangen, dass Zentralbänker Sadisten sind, die einfach Spaß daran haben, Leute in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Die Realität allerdings ist eine andere. Solange keine Inflationsgefahr besteht, wird die Zentralbank die Wirtschaft mit Geld versorgen, bis das Produktionspotential ausgeschöpft ist.

Keynes lässt da im übrigen bzgl. seiner Absichten keine Zweifel aufkommen und streckenweise ist seine Argumentation sogar richtig witzig. Er kann unter dem Blickpunkt seiner Theorie sogar dem allseits verschrieenen Merkantilismus  noch einigen Charme abgewinnen. (Wobei er das wohl wirklich witzig meint, denn im übrigen war er ja ein strammer Vertreter der Marktwirtschaft. Er wollte nur mal seine Theorie auch für Professoren der Volkswirtschaftslehre begreiflich machen, die sind ja nicht von der schnellen Truppe.) Der Merkantilismus wirbt für Leistungsbilanzüberschüsse, weil das, unter den damaligen Bedingungen, Gold ins Land spült, was damals einziges Zahlungsmittel war. Ist also Gold üppig vorhanden, ist es billig und da es billig ist, kann viel investiert werden. Der Trick hat ja mit dem Zustrom des Goldes aus Südamerika auch funktioniert, nur leider nicht in Spanien, die haben nur eine Inflation bekommen, dafür aber, wie David Hume beobachtet hat, in England. Heutzutage kann man  das sein lassen mit dem Gold, weil man Zahlungsmittel schlicht auch in jeder x-beliebigen Menge drucken kann. Die Ausdehnung der Geldmenge geht dem Wirtschaftswachstum immer voraus, was auch nicht anders sein kann, denn andernfalls müssten die Preise sinken, wenn das Volkseinkommen steigt.

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