staunen, nicht ärgern

Marktwirtschaft und Demokratie

So weit so nett. Das Problem ist, dass sich innnerhalb einer Demokratie die Verhältnisse komplizierter gestalten. Die Theorie à la Popper, siehe „die offene Geschellschaft und ihre Feinde“ geht nun so, und das klingt erstmal nicht schlecht. In einer Demokratie machen verschiedene Akteure, also z.B. politische Parteien, Vorschläge, wie anstehende Problem zu lösen sind. Die Parteien selber, das ist nicht Popper sondern Downs, sind hierbei Stimmenmaximierer, also sozusagen Unternehmer. Kriegen sie genug Stimmen zusammen, kommen sie an die Fleischtöpfe Ägyptens, also da wo die lukrativen Jobs zu vergeben sind und Macht, Geld und Einfluss ist. Das wollen wir ja alle. Die Parteien versuchen sich also an die Stimmungslage der Wählerschaft optimal anzupassen und durch Optimierung des Programms einen möglichst großen Anteil vom Kuchen abzubekommen. Anschließend haben sie vier bzw. fünf Jahre Zeit, ihre Klientel zufrieden zu stellen, andernfalls werden sie wieder abgewählt. Klingt simpel, ist aber philosphisch tiefsinnig. Der kategorische Imperativ von Immanuel Kant, „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“, mutiert da geradezu zum netten Kalauer, denn die Demokratie verwirklicht das. Der professionelle Autoknacker ist natürlich erstmal dagegen, dass man Auto knacken verbietet, müsste er aber darüber abstimmen, ob Auto knacken allgemein erlaubt sein soll, wäre er natürlich dagegen, denn dann würde ja auch sein Auto geknackt. Seinem business würde sozusagen die Existenzgrundlage entzogen. Wir würden auch gerne alle Mal in Nachbars Wohnung einsteigen und die Kronjuwelen klauen, aber niemand plädiert dafür, dass das allgemeiner Brauch wird. Von daher hat die Demokratie die Tendenze, das Wahre, Schöne und Gute zu verwirklichen, denn abstrakt und allgemein gesprochen, wollen wir das ja alle. (Das ist der Nachteil bei Diktaturen: Die Jungs, es sind ja immer Jungs und nie Mädels, wird man mit friedlichen Mitteln nicht mehr los. Und da sie, im Gegensatz zu Demokratien, nicht damit rechnen, dass sie für Fehlleistungen jemals haften, neigen die dazu, völlig frei zu drehen. Bei Demokratien haben wir ab und an einen Regierungswechsel und der Vorgängerregierung kann es dann höchst konkret an den Kragen gehen.)

Die Crux an der ganzen Geschichte ist das. Demokratie soll ja Herrschaft des Volkes heißen, das ist natürlich völlliger Quark, bzw. nicht der entscheidende Punkt. Dass das Volk besser regiert als Salomon der Weise ist überhaupt nicht garantiert. Ein gutmütiger Diktatur kann weiser sein, als das Volk. Das Problem mit dem gutmütigen Diktatur ist, dass es kein Regelwerk gibt, wie man die weniger gutmütigen Diktaturen wieder los wird. Das ist ja auch das Problem bei Monarchien. Alfonso el Sabio war ganz ok, aber die Nachfolger waren problematisch und es gab keine Methode, die wieder loszuwerden. Von daher ist die Demokratie ein überzeugendes Regelwerk. Die Demokratie ist allerdings, im Idealfall, die Herrschaft der geistigen Durchdringung, das heißt die Leute müssen sich informieren, was ja Arbeit ist und für diese Arbeit gibt es keinen Cash, das ist sozusagen ehrenamtlich und ehrenamtlich beschäftigt sich der Homo Oeconomicus mit gar nichts. Der Homo Oeconomicus reagiert auf die Anreizsystem des Systems, positiver oder negativer Art, stellt diese aber nicht in Frage.

Besonders deutlich sieht man das bei den Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten, siehe hier https://theatrum-mundi.de/oekonomen-im-westen-oekonomen-im-osten-und-des-kaisers-neue-kleider/. Ökonomen werden noch in 1000 Jahre denselben Quark erzählen, denn sie schon die letzten zweihundert Jahre erzählt haben, es sei denn, die systemischen Rahmenbedingungen ändern sich, das war ja das Pech der Ökonomen in der DDR. Gleiches gilt für Lehrer. Es ist vollkommen klar, dass die Lehrpläne runderneuert werden müssten, aber die Deutschlehrer werden noch in Tausend Jahren den Götz von Berlichingen und Bahnwärter Thiel in der achten Klasse machen. Das bringt denen Geld und nachdenken bringt Ärger. Im Schatten der öffentlichen Debatte, können auch Institutionen wie das Goethe Institut pullulieren, siehe https://www.spanisch-lehrbuch.de/helfen/goethe.htm. Das Phänomen kommt dadurch zustande, weil Bürokratien eine Eigendynamik haben und höchst eigene Interessen, die sie mangels öffentlicher Kontrolle auch durchsetzen können. Der Homo Oeconmicus macht sich nicht ehrenamtlich die Mühe, herauszufinden, was die eigentlich treiben und ob das irgendeinen Sinn macht. Dass diese Jungs und Mädels hier, https://www.nationale-bildungsplattform.net, Homines oeconomici sind, das heißt alle Beteiligten ihre höchst individuellen Interessen verfolgen, ist völlig normal und nachvollziehbar. Der Rest der Homines oeconomici müsste die jetzt kontrollieren, denn die zahlen die Rechnung. Das passiert aber nicht, weil der Aufwand für den individuellen homo oeconomicus in keinem Verhältnis zum Nutzen steht.

Rein theoretisch verwirklicht also die Demokratie den kategorischen Imperativ, in der Praxis ist das ein bisschen komplizierter. Bekanntlich ist Kant ja nicht nur der Erfinder des kategorischen Imperativs, sondern auch des sapere aude, man soll also den Mut haben, die Dinge mental zu durchdringen. Da kalauert er nicht nur, er liegt da auch vollkommen falsch. In einer Demokratie bedarf es überhaupt keines Mutes, irgendwas zu wissen, aber es ist eben Arbeit, für die man nicht bezahlt wird. Man könnte jetzt meinen, dass das nicht viel Arbeit ist, denn man braucht ja nur die Zeitung zu lesen. Wer das glaubt, liegt vollkommen falsch, weil es auch für Medien aller Art kein besonders lukratives Business ist, Informationen zu liefern, bei denen andere Leute ein massives Interesse haben, die nicht herauszurücken. Wer jemals versucht hat, über das Informationsfreiheitsgesetz einer Behörde relevante Informationen aus der Nase zu kitzeln, der weiß, wovon der Autor redet. Ein hübsches Beispiel ist hier: https://fragdenstaat.de/anfrage/nationale-bildungsplattform/. (Hintergrund hier: https://www.nationale-bildungsplattform.net.) Es kann also durchaus sein, dass auch in einer Demokratie sich nicht der kategorische Imperativ durchsetzt, sondern Partikularinteressen. Das liegt dann aber nicht daran, dass die Demokratie an und für sich nicht funktioniert, sondern daran, dass die Wähler streng dem ökonomischen Prinzip folgen, das heißt sich schlicht für gar nichts interessieren und Medien sind nun mal Wirtschaftsunternehmen. Die liefern, was die Leute haben wollen, siehe https://theatrum-mundi.de/wie-wird-man-eigentlich-in-diesem-unseren-lande-professor-norbert-bolz/. Die Demokratie verliert ja an Strahlkraft, obwohl keiner ihrer Kritiker mal fundiert darstellen könnte, welche Alternativen im Angebot sind. Regierungen können in einer Demokratie nicht qualifizierter sein, als deren Wähler. Aus dieser Perspektive ist dann der Homo Oeconomicus eine ziemliche Dumpfbacke.

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