staunen, nicht ärgern

Marktwirtschaft und Demokratie

bekanntlich hadern die Leute ja, weil sie es nicht verstehen, mit dem Menschenbild der Volkswirtschaftslehre, so wie es überall auf dem Globus gelehrt wird und in jedem Buch zur Mikro- und Makrökonomie steht, also mit dem Homo Oeconomicus. Der ist auf den ersten Blick ein fieser Geselle, maximiert nur seinen Nutzen, der in der reinen Lehre in Euronen / Dollar / Dinar / Renmimbi oder was auch immer gemessen wird. Was die Leute irgendwie nicht sehen und auch nicht so expressis verbis in den heutigen Lehrbüchern steht, ist, dass im Original, also bei Adam Smith, der Homo Oeconomicus im Wettbewerb agiert und nur da macht die Konzeption Sinn.

(Woraus dann folgt, dass es vollkommen ausreicht, wenn der Staat für eine angemessene Wettbewerbsintensität sorgt. Steht schon bei Adam Smith, da sagt uns Walter Eucken nichts neues, auch wenn Sigmar Gabriel vor dem Tiefsinn dieses gewaltigen Denkers vor Ehrfurcht erschauert.

 

Walter Eucken ist da der Riese, auf dessen Schultern wir alle stehen. Das ist natürlich Quark. Was Walter Eucken erzählt, ist älter als die grünen Hügel Afrikas und im Grunde ist das klassische Nationalökonomie in Reinkultur. Auch die soziale Marktwirtschaft, also die Existenz sozialer Sicherungssysteme, ist weder eine Idee von Walter Eucken noch von Alfred Müller Armack. So Systeme gibt es in allen westlichen Industrienationen. Auf das klein-klein der Ökonomie wollen wir hier aber gar nicht eingehen, näheres hierzu in epischer Breite, Höhe, Tiefe hier: https://www.economics-reloaded.de. Die Idee, dass der Staat für eine ausreichende Wettbewerbsintensität sorgen muss, was Adam Smith für unmöglich hielt, ist keine Idee von Walter Eucken. So was gibt es in den USA seit 1890, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sherman_Antitrust_Act. )

Wir würden natürlich alle gerne, für die von uns erbrachte Leistung das Doppelte, das Dreifache und das Vierfache von dem verlangen, was wir erhalten und leiden aller unter der Tatsache, dass es immer irgendwelche Nebenbuhler gibt, die ihre Leistung unverschämterweise für ein apple und ein Ei anbieten. Derzeit haben App Entwickler dieses Problem. Die setzen da schon mal für die Arbeitsstunde 200 Euro an und ihr Problem ist, dass man das auch in Indien bekommen kann, dann sind das 20 Euro die Stunde. Ansonsten sind wir alle Homo Oeconomicus in Reinkultur. Der Autor kann gar nicht nachvollziehen, wie jemand auf die Idee kommt, das Menschenbild falsch zu finden. Wir kaufen die Hose bei C & A für 20 Euro, das T-Shirt für 5 Euro obwohl wir wissen, dass es zu diesem Preis nur produziert werden kann, wenn es unter Sklavenhalter Bedingungen am anderen Ende der Welt produziert wird. (Wobei manche darauf angewiesen sind, für ein apple und ein Ei einzukaufen.) Es gibt ein Haufen Leute, die fröhlich an der Börse oder an Warenterminmärkten spekulieren, obwohl diese Tätigkeit makroökonomisch gesehen vollkommen sinnfrei ist. Keynes schlägt ja bekanntlich vor, der ist manchmal echt witzig, dass zwischen Investor und Investment eheänliche Verhältnisse herschen müssten, und dass eine Wirtschaft als reines Spielkasino eine ziemlich wackelige Angelegenheit ist, siehe link oben. Auch das kaufen, verkaufen, kaufen, verkaufen, kaufen, verkaufen etc.. von Bestandsimmobilien macht volkswirtschatlich Null sind, aber wer kann beteiligt sich. Fazit: Wir sind alle Homo Oeconomicus, freiwillig oder unfreiwillig. (Wobei eine Komponente bei Adam Smith fehlt und bei Walter Eucken sowieso. Wenn der Homo Oeconomicus wenigstens strategisch vorgehen würde, also z.B. solargetriebene Wasserentsalzungsanlagen bauen würde anstatt Bestandsimmobilien im Zehntausender Paket zu kaufen, zu verkaufen, zu kaufen, zu verkaufen etc., dann wäre der Homo Oeconomicus ja sogar sinnvoll. Das eigentliche Problem ist, dass der Homo Oeconomicus in sehr kurzfristigen Zeiträumen denkt. Anders formuliert: Er ist ein bisschen doof. Das führt dazu, dass Geld in gewaltigen Beträgen sinnlos Schleifen dreht. Das ist das Thema bei Keynens, was wir aber im Moment nicht vertiefen wollen, für Details siehe https://www.economics-reloaded.de/pdf-Dateien/Keynes_Buch.pdf.)

Wir können also vermuten, dass es an der ausreichenden Wettberwerbsintensität in einer Demokratie nicht mangeln lässt. Zwar ersehnt sich jeder Unternehmer eine marktbeherrschende Stellung für sich selbst, aber abstrakt wird er diese ablehnen. Eine große Marktmacht hatte z.B. Bild, dass ja in der Werbung sich dafür rühmte, jeden hochpushen zu können, um ihn anschließend wieder zu vernichten. Solange das Auflage bringt, machen sie das. Weniger begeistert war der Springer Verlag natürlich, als google die Weltbühne betrat. Für Springer ist google ein böser Goalkeeper, der die Unverschämtheit besitzt, die Beiträge der Bildzeitung nicht angemessen, das heißt auf der ersten Seite, zu platzieren.

Ansonsten ist der Homo Oeconomicus ja ein sympathischer Geselle. Er stirbt grundsätzlich nicht für Volk und Vaterland, denn das bringt ja gar keine Kohle. (Er lässt höchstens andere für Volk und Vaterland sterben, das bringt dann unter Umständen Kohle.) Mit Volk und Vaterland hat er es eh nicht so, der ist mehr so an konkretem interessiert, also an realer Asche und hat wenig Sinn für Hokuspokus und Volk und Vaterland. Deswegen ist in der VWL ja auch rationales Verhalten als gewinnmaximierendes Verhalten definiert. Soll heißen: Rationales Verhalten liegt vor, wenn entweder der Aufwand / die Kosten minimiert werden oder der Gewinn maximiert. Volk und Vaterland ist ja in der Regel das Gegenteil: Der Aufwand / die Kosten werden maximiert und der Gewinn minimiert, bzw. ist, wenn die Patrioten die Mützen fliegen lassen, meistens ein veritabler Verlust. Putin z.B. ist kein Homo Oeconimicus und das ist jetzt ein echtes Problem.

So weit so nett. Das Problem ist, dass sich innnerhalb einer Demokratie die Verhältnisse komplizierter gestalten. Die Theorie à la Popper, siehe „die offene Geschellschaft und ihre Feinde“ geht nun so, und das klingt erstmal nicht schlecht. In einer Demokratie machen verschiedene Akteure, also z.B. politische Parteien, Vorschläge, wie anstehende Problem zu lösen sind. Die Parteien selber, das ist nicht Popper sondern Downs, sind hierbei Stimmenmaximierer, also sozusagen Unternehmer. Kriegen sie genug Stimmen zusammen, kommen sie an die Fleischtöpfe Ägyptens, also da wo die lukrativen Jobs zu vergeben sind und Macht, Geld und Einfluss ist. Das wollen wir ja alle. Die Parteien versuchen sich also an die Stimmungslage der Wählerschaft optimal anzupassen und durch Optimierung des Programms einen möglichst großen Anteil vom Kuchen abzubekommen. Anschließend haben sie vier bzw. fünf Jahre Zeit, ihre Klientel zufrieden zu stellen, andernfalls werden sie wieder abgewählt. Klingt simpel, ist aber philosphisch tiefsinnig. Der kategorische Imperativ von Immanuel Kant, „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“, mutiert da geradezu zum netten Kalauer, denn die Demokratie verwirklicht das. Der professionelle Autoknacker ist natürlich erstmal dagegen, dass man Auto knacken verbietet, müsste er aber darüber abstimmen, ob Auto knacken allgemein erlaubt sein soll, wäre er natürlich dagegen, denn dann würde ja auch sein Auto geknackt. Seinem business würde sozusagen die Existenzgrundlage entzogen. Wir würden auch gerne alle Mal in Nachbars Wohnung einsteigen und die Kronjuwelen klauen, aber niemand plädiert dafür, dass das allgemeiner Brauch wird. Von daher hat die Demokratie die Tendenze, das Wahre, Schöne und Gute zu verwirklichen, denn abstrakt und allgemein gesprochen, wollen wir das ja alle. (Das ist der Nachteil bei Diktaturen: Die Jungs, es sind ja immer Jungs und nie Mädels, wird man mit friedlichen Mitteln nicht mehr los. Und da sie, im Gegensatz zu Demokratien, nicht damit rechnen, dass sie für Fehlleistungen jemals haften, neigen die dazu, völlig frei zu drehen. Bei Demokratien haben wir ab und an einen Regierungswechsel und der Vorgängerregierung kann es dann höchst konkret an den Kragen gehen.)

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