staunen, nicht ärgern

Au weia. Mehr als zwei Prozent des BIP für Rüstung oder 100 Millarden Euronen

Also: Putin hat eine Vollmeise. Das ist unbestritten. Niemand hat damit gerechnet, dass er die ganze Ukraine angreift. Das ist derartig irre, dass damit niemand rechnen konnte. Die Frage ist nur, ob bei höheren Rüstungsausgaben das derzeitige Szenario ein anderes wäre und ob man sowas in Zukunft durch höhere Rüstungsausgaben wird verhindern können.

Das Akk Sturmgewehr twittert und bedauert das Versagen der Bundeswehr, Christine und Olaf wollen jetzt richtig Schotter in Rüstung stecken und die Bundeswehr, die Truppe, die die letzten 20 Jahre dastand wie bestellt und nicht abgeholt und ziemlich erfoglos die Freiheit am Hindukusch verteidigt hat, siehe hier https://theatrum-mundi.de/was-ist-eigentlich-ein-militaer/, sieht sich jetzt, das hebt das Selbstbewußtsein bzw. unterstreicht die staatstragende Funkion , dem russischen Agressor völlig ausgeliefert, weil von der Politik finanziell ausgetrocknet. (Man hätte auch weniger Geld für KPMG und Co ausgeben können, dann säße man jetzt weniger auf dem Trockenen.)

Also, gehen wir mal zurück auf Anfang. Putin hat eine Vollmeise, leidet aber an demselben Symptom, an dem alle Militärs leiden. Er kann diesen Krieg nämlich gar nicht gewinnen. (Was er eigentlich, nach der Pleite in Tschetschenien, eigentlich hätte wissen müssen, aber Militärs sind unbelehrbar.)

Bei Kriegen muss man zwei völlig unterschiedliche Szenarien unterscheiden. Einmal haben wir den totalen Krieg, bei dem eine Nation vollständig vernichtet werden soll, also die Liga Hitlerdeutschland gegen die Sowjetunion. In so einer Situation macht es Sinn, die Panzer zu stoppen, auf offenem Feld, bevor sie die Städte in Schutt und Asche legen können, bzw. die Flieger vom Himmel zu holen, bevor sie ihre Bomben abwerfen können. In diesem Szenario liegt dem Angreifer, bzw. dem Verteidiger, wenn man von der Sowjetunion im zweiten Weltkrieg spricht, nichts an der Infrastruktur des Feindes. In diesem Fall will man den Feind so platt machen, dass er ein für allemal Ruhe gibt. In letzter Konsequenz mit Atombomben. Das ist die Liga Zweiter Weltkrieg.

Das zweite Szenario sind alle Szenarien, die man mit assymetrischen Kriegen zusammenfasst. Das sind Kriege wie in Tschetschenien, Georgien, Afghanistan, Mali etc.. Bei dieser Art von Krieg ist nicht die totale Vernichtung des Feindes das Ziel, sondern eine spezifische Gruppe. Will man z.B. die Afghanen von den Taliban befreien, ist es wenig sinnvoll, ganze Städte in Schutt und Asche zu legen, weil das ja alle Afghanen betreffen würde. Wenn Putin  die russischen Landsleute vom ukrainischen Joch befreien will, das ist ja die Suada, die er erzählt, macht es wenig Sinn, Kiev in Schutt und Asche zu legen, denn das würde auch die 30 Prozent Russisch Muttersprachler treffen. Anders formuliert: Seine tollen Flugzeuge und seine herrlichen Panzer nützen ihm langfristig schlicht nichts. Er wird das gleiche Problem haben, wie die USA in Bagdad. In einer Panzerschlacht war die USA gnadenlos überlegen, in Badgad selbst war der Nutzwert der Panzer gering. Mit Panzern hätten sie Bagdad in Schutt und Asche legen können, was aber dem Kriegsziel widersprochen hättte.

Was wird also passieren? Die russische Armee wird kurz vor Kiev zum stoppen kommen. Dringen Panzer in Kiev ein, werden sie mit Panzerabwehrwafffen aller Art, den amerikanischen Jamelin, den französichen Milan und mit schlichten Panzerfäusten beschossen. Niemand kann die Nato Staaten daran hindern, solche Waffensystem zu liefern. Will Putin nicht alle ukrainischen Städte vollständig vernichten, sind die Panzer komplett wehrlos. Ähnliches trifft auch auf die Flieger zu. Die alten Stinger Raketen, die an die Taliban in Afghanistan geliefert wurden, hatten eine Trefferquote von 8 Prozent. Das klingt nach nicht viel, können aber beliebig viele davon geliefert werden, was der Fall ist, dann wird jeder russische Flieger irgendwann vom Himmel geholt. Die russische Armee hat eigentlich nur ein Chance: Die komplette Zerstörung der Ukraine. Aber selbst einem total irren wie Putin ist wohl klar, dass er dann sein Kriegsziel, die „Befreiung der unterjochten Russisch Muttersprachlern“, nicht erreichen kann. Der langen Rede kurzer Sinn: Er wird diesen Krieg verliegen.

Was würde sich an dem Szenario ändern, wenn die Bundeswehr jetzt noch mehr Panzer hätte? Die schlichte Antwort ist die: gar nichts. Egal wieviel Panzer die Bundeswehr bzw. die Nato hat, sie wäre nicht in der Ukraine interveniert, denn das hätte unter Umständen zum dritten Weltkrieg geführt und im übrigen wäre dies sinnlos, denn den Krieg in der Ukraine verliert Putin auf jeden Fall. Theoretisch hat er die Möglichkeit, den 3. Weltkrieg zu entfesseln, aber auch dann bleibt die Frage, ob mehr finanzielle Mittel am bestehenden Szenario etwas ändern würden. Die Nato Staaten haben insgesamt etwas 16 Mal soviel für Rüstung ausgegeben wie Russland. Wenn das nicht reicht, dann kommt es auf ein paar 100 Millarden mehr oder weniger auch nicht mehr an. Dann muss man sich Gedanken machen über die Effizienz der eingesetzten Mittel.

Die Suada von der mangelnden Ausrüstung der Bundeswehr hat uns das AKK Sturmgewehr schon anlässlich des chaotischen Abzugs aus Afghanistan erzählt. Sie hat uns aber leider nicht erzählt, was konkret eine bessere Ausrüstung bewirkt hätte. Im Falle Afghanistans kann man sagen, dass weniger mehr gewesen wäre. Weniger Waffen hätte bedeutet, dass den Taliban nach dem Abzug der Allierten weniger Waffen in die Hände gefallen wären. Das eigentliche Kriegsziel, den Afghanen einen konkreten Weg in eine friedliche Zukunft zu zeigen, wäre auch mit mehr Waffen nicht erreicht worden. (Aber Umständen, wenn man mehr Geld in die Infrastruktur gesteckt hätte und weniger in Waffen.)

Was lernen wir aus dem ganzen Malheur?

– Von Russland, China oder Saudi Arabien abhängig zu sein, ist ganz schlecht. Anstatt Steuergelder in Waffen zu stecken, steckt man es besser in Forschung und Entwicklung und sucht sich alternative Absatzmärkte. Das ist Entwicklungshilfe der bessere Panzer, das schafftt langfristig Absatzmärkte. Je schneller man Gas, Öl und Kohle durch alternative Energien ersetzen kann, desto leichter wird das mit der Durchsetzung der Menschenrechte.

– Mit Eric Zemour bzw. Marine Le Pen haben wir Präsidentschaftskandidaten, der die EU implodieren lassen. Gewinnt einer dieser zwei im April, ist Schluss mit EU. Die EU ist derzeit angreifbar, das spielt denen in die Hände. Die Demokratidefizite sollte man beseitigen. Je schneller desto besser.

– China kann jetzt live in colour beobachten, dass militärische Übermacht nicht viel bringt. Das funktioniert nur, wenn man auch im Straßenkampf überlegen ist. Das ist bei den Uiguren und Honkong der Fall, nicht aber bei Taiwan.

– Die unterschiedlichen Interessen in diesem Konklikt waren nur ein Vorspiel. Im Falle von China wäre das noch viel ausgeprägter, da die Abhängigkeiten noch viel größer sind. Die Wirtschaft muss sich also umstellen auf die Nachfrage, die in der EU besteht und weniger auf die Nachfrage, die in China besteht.

Was allerdings wirklich gar nichts bringt, ist eine Erhöhung der Militärausgaben.

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