staunen, nicht ärgern

Ökonomen im Westen, Ökonomen im Osten und des Kaisers neue Kleider

In seligen Zeiten an der Alma Mater zu Freiburg im Breisgau hat der Autor mal VWL studiert, bis zum bitteren Ende. Also wer jung ist, der macht so manches verkehrt, aber als Nebeneffekt lassen sich sogar durch ein VWL Studium interessante Einblicke gewinnen. Man kann z.B. lernen, dass nachplappern immer karrierefördernd ist, überall auf dem Globus.

(Anmerkung: Wer den VWL Quark kurz und bündig haben will, also in zwei Semestern anstatt in acht, der nehme die Originalwerke in die Hand, also für den Ordoliberalismus Adam Smith, Wealth of Nations, Mikroökonomie Alfred Marshall, Principles of Economics und für Makroökonomie Keynes, General Theory of Employment, Interest and Money. Das ganze VWL Gequake sind im Grunde schwurberlige Anmerkungen zu diesen drei grundlegenden Werken. Ach ja: Werbeeinblendung: Der Autor hat das mal zusammengefasst, https://www.economics-reloaded.de und dann als Zusammenfassung der Zusammenfassung als Buch, Ökonomen und ihre Theorien. Also in den grundlegenden Werken, es gibt noch ein paar andere, steht tatsächlich was drin, das kann man sich mal reintun. Das würde die Qualitätä des demokratischen Entscheidungsfindungsprozesse verbessern. Aber zurück zum Thema.)

Nach der Wende hielt dort mal ein ehemaliger Professor für Marxismus / Lenininismus von irgendeiner Universtität aus dem Reich des Erich Honeckers einen Vortrag, mit anschließendem Disput zwischen selbigem und Hans-Hermann Francke seligen Angedenkens. Der war auch mal zuständig für Finanzwissenschaft an der Universität der Bundeswehr und fühlte sich wohl aus diesem Grund besonders zuständig für die Verteidigung der Marktwirtschaft und feierte in diesem Disput dann natürlich Triumphe und das studentisch angefüllte Auditorium Maximum war natürlich entzückt über die spöttischen Bemerkungen, die letzterer über ersteren niederprasseln ließ. (Ein Tatbestand, der einen schon veranlassen konnte, über Gruppendynamik nachzudenken.) Die Konstatierung, dass der Murksismus eben ziemlicher Murks ist, ist an und für sich betrachtet natürlich korrekt, allerdings war der Triumph billig und die Frage ist, ob ein Hans-Hermann Francke im Reich des Erick Mielke der standhafte Recke gewesen wäre, der mit Wort und Tat die Wahrheit verkündet hätte.

(Nebenbemerkung: Später hat der Autor, in vom Arbeitsamt finanzierten Kursen, mal ehemalige Professoren der Humboldt Uni unterrichtet, also die sollten da ein update bekommen zur Theorie. Darauf hat sich der Autor natürlich vorbereitet, hat sich also den ganzen Murksismus mit Preis als inkorporierter Arbeit, einfache und erweiterte Reproduktion, das Galama mit dem Mehrwert, Reproduktion der Arbeitskraft etc. etc. in die Birne getan. Es war ja damit zu rechnen, dass es da Diskussionen gibt. Aber Pustekuchen. Nachdem die gesammelten Werke des Murksismus / Leninismus auf jedem Flohmarkt für zwei DM käuflich erwerbbar waren, hat das keine Sau mehr interessiert. Die wollten jetzt nur noch die einen unverstandenen Begriffe durch andere ersetzen, die eher marktfonform waren. Seitdem hat der Autor jede Naivität verloren. Autoritäre System werden nicht durch eine Ideologie zusammengehalten, die ist lediglich ein Instrument. Autoritäre System werden zusammengehalten durch negative Anreize, also Sanktionen, und Belohnung.)

Aber zurück zu Hans Hermann Francke, den nehmen wir jetzt mal als Prototyp. Was erzählt dieser Prototyp eigentlich so und was steht in den gefühlten zehntausend Büchern zur Makroökonmie. Da steht z.B. in x Varianten das IS-LM Modell. Anhand dieses Modells analysieren Studenten der VWL was die Welt im Innersten zusammenhält, schieben da also 4 Semester lang, also nach dem, zur damaligen Zeit Vordiplom, bis zum Diplom Kurven hin und her. Das geht so nach dem Motto Staat erhöht z.B. die Ausgaben, IS Kurve nach rechts, außerhalb des liquidity trap steigt dann der Zins, es kommt zu einem crowding out effekt und private Investitionen werden verdrängt. Die Zentralbank wird nämlich eisern, komme da was wolle, die Geldmenge konstant halten. Ist zwar seit zwanzig Jahren nicht so, aber da gilt, was schon Altmeister Hegel sagte. Stimmt die Realität nicht mit der Theorie überein, dann ist das eben Pech für die Realität, die sich an die Theorie nicht anpassen kann.

Um das jetzt im Detail zu verstehen, müsste man länger ausholen, deshalb kommt jetzt die zweite Werbeeinblendung. Der Autor hat darüber mal ein hübsches kleines Büchlein geschrieben, also über Keynes, das kann man hier kostenlos downloaden: https://www.economics-reloaded.de/pdf-Dateien/Keynes_Buch.pdf.

Kurzer Hintergrund: Das IS-LM Modell soll eine neoklassische Synthese der keynesianischen Theorie sein und da hilft es auch wenig, dass Keynes höchstselbst die Meinung vertrat, dass in dem Modell nichts von seiner Theorie zu finden ist. Das ist Alfred Marshall in Reinkultur.

(Der im übrigen ein ganz austarierter Intellektueller war und die Elemente marktwirtschaftlicher Ordnungen beschreibt, die durchaus zutreffend sind und die Keynes gar nicht kritisiert hat.)

Also Hans-Hermann Francke nehmen wir jetzt als Prototyp getreu dem Motto Friedrich Schillers.

Im Wahnsinn des einzelnen
zeigt sich die Wahrheit der Gattung

Die Prototypen beten jetzt Jahr für Jahr das IS-LM Modell mit derselben Zähigkeit herunter, mit der die ehemaligen Vertreter der Zunft aus dem Reich des Erich Honecker den Mursksismus verkündeten.

Dazu erklärt dann Peter Bofinger, also es gibt Ausnahmen von der Regel, und der ist nicht nur Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg, sondern hat es sogar irgendwie geschafft Mitglied des Sachverständigenrates zu werden.

Wie kann die keynesianische Revolution vollendet werden? Die Chancen, dies zu erreichen, stehen heute nicht sehr gut, denn dies würde das Humankapital der meisten Makroökonominnen und Makroökonomen entwerten. Daher müssen die jungen Studierenden aufwachen und erkennen, dass ihnen Modelle beigebracht werden, deren Bewegungsgesetze mit der Realität ebenso unvereinbar sind wie die Weltsicht des Ptolemäus. Wir brauchen eine “Fridays for Keynesianism”-Bewegung.

Quelle: https://keynes-gesellschaft.de/fridays-for-keynesianism-peter-bofinger/

(Der Artikel fasst im übrigen nochmal zusammen, warum das IS-LM Modell keine Synthese ist aus Neoklassik und Keynesianismus, sondern lediglich Neoklassik. Warum das jetzt keine Kleinigkeit ist, siehe unten.)

Also die Erkenntnis, die man ziehen kann in nuce: Die Ökonomen aus der westlichen Sphäre unterscheiden sich von den Ökonomen aus dem nun untergegangen Reich des Bösen nicht wesentlich. Haben sie sich mal durch allerlei Dissertationen, Habilitationen, Abhandlungen in eine gesicherte Position emporgeschwurbelt, dann haben sie wenig Anlass, das hinterher in Frage zu stellen und die Neoklassische Synthese hat sich wohl durchgesetzt, weil der Keynesianismus, im übrigen unzutreffend, als radikal Angriff auf die marktwirtschaftliche Ordnung verstanden wurde, auch wenn Keynes an selbiger nie fundamental rüttelte. Aber eine differenziertere Analyse passte wohl nicht in das Freund <=> Feind denken und völlig ignorieren konnte man den bedeutendsten Ökonom aller Zeiten auch nicht.

Der Unterschied zwischen Klassik und Keynes, soll jetzt mal ganz einfach erklärt werden, so dass das wirklich jeder versteht, das ist nämlich wichtig. Der Keynesianismus besagt, z.B. dass die schwäbische Hausfrau, die ihre Groschen zusammenhält, das auch lassen kann. Richtig daran ist nur, dass der Keynesianismus das Schwabentum feiert, allerdings den Faktor ARBEIT, nicht den Faktor Kapital. Es gilt, was bei den Schwaben schon immer galt.

Brettle bohre, net end Luft gucka.

Schwaben fokusieren also auf den Faktor ARBEIT, sind ultra fokusiert. Die Arbeit ist tatsächlich der entscheidende Faktor. Das Kapital, was letztlich Geld ist, druckt die Zentralbank in jeder x-beliebigen Menge, solange es Leute gibt, die pfiffig sind und bereit sind hart zu arbeiten und mit dem Geld auch was anfangen können. Keynes stellte also zutreffend fest, dass am schwäbischen Wesen, Deutschland genesen wird, wenn auch nicht so, wie Angela Merkel sich das vorstellt. Wenn aus den drei Produktionsfaktoren der klassischen Nationalökonomie, Arbeit, Kapital und Boden nur einer übrigbleibt, nämlich die Arbeit, weil Kapital schlicht Geld ist und Geld in jeder Menge gedruckt werden kann, siehe unten, und Boden irrelevant ist, dann bleibt nur noch die Arbeit als relevanter Produktionfaktor übrig. Allerdings nicht die durchschnittliche Arbeitskraft, wie bei Marx, sondern der pfiffige Unternehmer, der bei Schumpeter und Jean Baptiste Say beschrieben wird.

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