staunen, nicht ärgern

Nationale Bildungsplattform, 630 Millionen Euro. Da gehen sie hin, eure Millionen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist zäh, enorm zäh. Egal wieviel Geld die Jungs und Mädels zum Fenster raushauen und egal wie offensichtlich es ist, dass sie bereits in der Vergangenheit Millionen von Euros sinnlos zum Fenster rausgehauen haben, die Jungs und Mädels lernen nie. Man kann Fehler machen, das ist normal, aber denselben Fehler immer wieder zu machen und das Geld anderer Leute zu verbraten, das ist nicht nur dämlich, das wird allmählich kriminell. Digitale Lernmedien und die Verfügbarkeit von Informationen aller Art an jedem Punkt der Erde, zu jeder Zeit, kostenlos und auf allen Geräten ist nun tatsächlich ein Quantensprung in der Geschichte der Menschheit. Diese message ist beim BMBF angekommen und irgendwie wollen die Jungs und Mädels da auch was tun, das Problem ist nur, sie werden nicht gebraucht und was sie anstellen, ist eine lange Reihe an Pleiten, Pech und Pannen.

https://wirlernenonline.de/ ist ein einziger Krampf. Ein grauenhafter Suchalgorithmus und naheliegenderweise beteiligt sich außer den öffentlich rechtlichen Sendern und ähnlichem kein Anbieter digitaler Lernmedien daran, sie tragen sich also nicht ein und haben auch wenig Anlass, dies zu tun. Da das Teil niemand kennt, bringt das nichts. Ziel des Portals ist zusammengefasst die Verbreitung des Wahren, Schönen und Guten in der Welt und als Nebeneffekt natürlich ein kräftiger Teller aus den Fleischtöpfen Agyptens, wobei, das ist so üblich, viel vom Wahren, Schönen und Guten die Rede ist, aber wenig von der konkreten Summe in Euros.

Dann gibt es noch https://www.mundo.schule.de, das ist mehr oder weniger das gleiche wie https://www.wirlernonline.de und gleichermaßen sinnfrei, aber wenn schon sinnfrei, dann wenigstens doppelt. Die prahlen mit 39 851 Medien, die man dort finden kann, bzw. eher nicht finden kann, weil der Suchalgorithmus ähnlich schwachsinnig ist wie bei www.wirlernenonline.de, aber irgendwie ist bei denen Internet nicht angekommen. Es gibt hunderte von MILLIONEN von digitalen Lernmedien, die über die üblichen Suchmaschinen auch gefunden werden können, denn die haben dann höchst leistungsfähige Suchalgorithmen. Mundo stellt sich natürlich auf den Standpunkt, dass ihr Repertoire ganz besonders wertvoll ist, also geprüft, soll heißen die haben vor allem Material der öffentlich rechtlichen, was wahrscheinlich ungeprüft da Eingang findet. Wenn der Steuerzahler zur Finanzierung zwangsverpflichtet wird, muss die didaktische Qualität einfach überragend sein, da gibt es gar nichts mehr zu prüfen. Ob es allerdings irgendjemanden interessiert, ob so dubiose Vereine wie https://www.gpi-online.eu/ digitale Lernmedien auszeichnen oder nicht, sei dahingestellt. Ablehnen werden die selten, denn die Anmeldung für Interessenten ist kostenpflichtig.

Doppelt gemoppelt reicht aber noch nicht, man muss das mindestens 16 Mal machen, also jedes Bundesland nochmal. So haben wir dann auch https://www.mebis.com, https://www.nibis.de, https://www.schule-bw.de/ etc. nochmal eigene Bildungsplattformen.

Die Jungs von Mundo halten Lehrer für völlig verblödet, denn die schreiben:

Dafür sichten wir frei im Netz verfügbare digitale Medien und prüfen sie anhand der Bildungsstandards für den Einsatz im Unterricht. So wird eine zentrale Auffindbarkeit von offenen, lizenzrechtlich und qualitativ geprüften Materialien sowie eine rechtssichere Nutzung durch die Lehrkräfte garantiert.

Quelle: https://mundo.schule/about

Also ein Lehrer, der es nicht schafft offene, lizenzrechtlich unbedenkliche, qualitativ hochwertige digitale Lernmedien im Internet zu finden, der sollte vielleicht den Beruf wechseln, denn der Rest der Menschheit hat damit kein Problem und im übrigen berührt das eine Kernaufgabe der Schulen im digitalen Zeitalter. Herausfinden, ob der Content richtig, zielführend, didaktisch sinnvoll, etc. ist, müssen die Schüler lernen, wobei sich an der Grundproblematik in den letzten 500 Jahren nichts geändert hat. In jedem besseren Buchladen und in jeder Bibliothek stehen auf den Regalen Genossen, die unterschiedlicher Meinung sind, Fakten verdreht darstellen oder schlicht didaktisch grottig sind. Auch da muss man sich den Weg durch den Dschungel selber bahnen.

Wass der Spaß bislang gekostet hat, über die direkte Förderung von digitalen Inhalten sprechen wir jetzt gar nicht, das dürften zwischen 2002 und 2008 ein Betrag um die 600 Millionen Euro sein, reden wir gar nicht. Gesponsert wurden überwiegend institutionelle, staatstragende Anbieter, wobei das Ergebnis, wie das BMBF mal zwischenzeitlich konzediert hat, Null war. Also Summa summarum, nennen könnten man noch die 10 Millionen Euro, die SAP für die Schulcloud eingesackt hat, die gleichermaßen sinnfrei ist, so eine Milliarde.

Für die Nationale Bildungsplattform tütet der Steuerzahler jetzt 630 Millionen Euro aus. Das soll dann die Megaplattform geben, also irgendwie sollen alle von den zahlreichen Bildungsplattformen eingesammelten digitalen Bildungsmedien über diese Megaplattform aggregiert werden. Im Originalsound klingt das dann so.

Mit der Nationalen Bildungsplattform als Meta-Plattform vernetzter digitaler Bildungsangebote soll ein technisches und regulatives Ökosystem bereitgestellt werden, das einen Rahmen für eine leistungsfähige, interoperable Lehr-Lern-Infrastruktur und die darauf aufbauenden Funktionalitäten und Services schafft. Hierzu werden unter Nutzung etablierter Standards und Werkzeuge bestehende und innovative neue Angebote vernetzt. Für ein individuell passfähiges, flexibles und anschlussfähiges Lernen in der digitalen Welt.

Quelle: https://www.bmbf.de/de/neue-bekanntmachung-zum-aufbau-einer-digitalen-bildungsplattform-13790.html

Dazu gibt es dann noch ein Video: https://www.bmbf.de/de/media-video-48925.html. Da lernen wir, dass Videos auch didaktisch sinnlos sein können, das hätten wir aber schon der Online Diskussion mit dem Unternehmen entnehmen können, dass im Auftrag des BMBF dieses Projekt leitet: https://vdivde-it.de/de. (Warum das BMBF das nicht in Eigenregie macht, ist schleierhaft. Bei 1000 Mitarbeitern sollte es doch ein paar geben, die das machen können, vor allem wenn man bereits über so üppige Erfahrung mit gescheiterten Projekten verfügt. Sollte das BMBF aus den Erfahrungen der Vergangenheit geschlossen haben, dass es sowas nicht kann, wäre dies zwar zutreffend, aber die logische Schlussfolgerung wäre, sich dann eben gar nicht mehr einzumischen.) Es war eigentlich, in der Video Konferenz,  egal, welche Frage gestellt wurde, die Antworten waren einheitlich „wissen wir nicht, wir warten die Prototypen“ ab. Also 630 Millionen Euro ist ganz schön viel, wenn man keinen Plan hat, was am Schluss rauskommen soll. Das Grundproblem ist, dass die Anbieter von digitalen Lernmedien, egal ob open source, irgendeine creative common oder kostenpflichtig kein Interesse daran haben werden, sich anzumelden, weil a) die Suchmaschinen relevant sind, die bereits den Zugriff auf Hunderte von Millionen von Angeboten anbieten, b) nur ein Bruchteil dieser digitalen Bildungsmedien in Deutschland produziert worden ist und die Anbieter aus dem Rest der Welt interessieren sich einen feuchten Schmutz für die NBP, c) vollig unklar ist, wer einheitliche Schnittstellen haben will und überhaupt unklar ist, was diese Schnittstellen konkret verbinden sollen, d) sind die Möglichkeiten, wie die Informationen im Netz vorliegen, derartig vielgestaltig, z.B. können auch Foren hochwertige Informationen liefern, im Fremdsprachenbereich z.B. https://forum.wordreference.com/, die diskutieren da die letzten Fragen der Menschheit auf höchstem Niveau, dass es schlicht unmöglich ist, „regulative ÖKosysteme“ zu bilden, wobei auch unklar ist, wie ein Ministerium auf die Idee kommt, hier regulative Ökosystem bilden zu wollen. Hayek hat, wenn es um ökonomische Zusammenhänge im engeren Sinn geht nie recht, aber Macht ohne Kompetenz hat was.  Unter „Services“ muss man sich jetzt was vorstellen können. Denkbar wäre z.B., dass für Bildungsangebote einheitliche Zahlungssystem eingerichtet werden, doch dafür gibt es schon so gefühlte 100 Lösungen. Denken könnte man an einheitliche Standards für Testbatterien, aber auch hier gibt es schon tonneweise standardisierte Lösungen, z.B. von moodle oder plugins von wordpress oder eben das uralt Ding hot potatoes etc.. Denken könnte man daran, dass es Schnittstellen gibt, zu Anbietern von zertifizierten Prüfungen, TOEFL, DELE, Telc etc… aber die werden kein Interesse an Kooperation haben. Kurz und knapp: Das Ding ist so sinnlos wie Hunderte von Projekten vorher, aber für den Steuerzahler richtig teuer.

Das Vertrauen in politische Parteien schwindet. Das kann auch daran liegen, dass zunehmend Zweifel bestehen an der Kompetenz staatlicher Institutionen und im ganzen Bereich Bildung grenzt das Agieren staatlicher Behörden schon an Idiotie.

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