staunen, nicht ärgern

Die Nationale Bildungsplattform, da gehen sie eure Millionen, Teil IV

1) Anpassung und Entwicklung von Bildungsangeboten, die mit den Vernetzungfunktionen der NBP kompatibel sind.
2) Weiterentwicklung von Angeboten für Lehrende über die Vernetzungsfunktionen der NBP
3) Entwicklung von Prototypen

ad 1) Hier haben wir wohl den Prototyp von Anmassung des Wissens. Sie erwähnt zwar immer wieder, dass die Nationale Bildungsplattform an das bestehende Ökosystem anschlussfähig sein soll, hier aber ist sie der Meinung, dass sich die Anbieter digitaler Lernmedien an die NBP anpassen sollen, dass sie mit dieser kompatibel sein sollen. Das Problem ist, dass die Anbieter digitaler Lernmedien gar keine Notwendigkeit sehen, sich an die Strukturen der NBP anzupassen, davon haben die nämlich schlicht gar nichts. Interessant ist die NBP nur, wenn das direkt oder indirekt ökonomisch relevant ist und ökonomisch relevant ist sind eben Suchmaschinen à la google, die app stores, Amazon mit print on demand bzw. kindle, eigene Shops etc… Die NBP ist ökonomisch völlig uninteressant, mit dem Ergebnis, dass sie mit dem bereits existierenden Ökosystem, nicht konkurrieren kann.

ad 2) Wieso jetzt die NBP die Angebote für Lehrende verbessern soll, ist ein Rätsel. Man kann Lehrern Nachhilfe geben in der Nutzung und Erstellung digitaler Lernmedien, also wenn die da hilflos sind und mit der Digitalisierung nicht klar kommen, wieso allerdings das Angebot für Lehrende über eine NBP verbessert wird, ist ein Geheimnis, dass Frau Hannken uns leider nicht verrät.

3) Urig ist das jetzt mit den Prototypen. Tatsächlich gab es auch eine Förderung für digitale Lernmedien, die anschlussfähig an die Prototypen sein sollen. Bedauerlicherweise sind diese Prototypen aber gar nicht technisch genau spezifiziert. Es sollen also technischen Schnittstellen an etwas implementiert werden, dass es derzeit gar nicht gibt. (Von der Tatsache, siehe 1), dass keine Bedarf besteht mal ganz abgesehen.) Wie das funktionieren soll, konnte auch von den Mitarbeiter der VDI / VDE-It im Webinar nicht geklärt werden. Frau Hannken kann wahrscheinlich auch einen Schlüssel machen für ein nicht vorhandenes Schloss, aber wir normal Sterblichen können das nicht. Die Prototypen, also vier an der Zahl, der von der Uni Potsdam (Bird), der von Fraunhofer Fokus (CLM), der von imc information multimedia communication AG und eines unbekannten vierten sollen dann am Schluss evaluiert werden. Klingt erstmal nach Wettbewerb und so bezeichnet sie es auch, aber irgendwie soll man die auch verknüpfen. Aber egal ob Wettbewerb oder Fusion, die Frage die sich stellt ist die: Wer soll diese Evaluierung vornehmen? Leute vom Schlage von Frau Hannken, die von Technik Null Ahnung haben? Entscheiden die vier Prototypen das selber, ist dieses Szenario wahrscheinlich. Man beschließt, dass es für die Fusion nochmal Fördermittel braucht und erstellt dann gemeinsam noch einen Prototyp. Das wäre ein gentlemen agreement.

Richtig nett von ihr ist, dass sie konzediert, dass bei der NBA die Nutzer darüber entscheiden dürfen, welche Lernstände sie in das „data wallet“ einspeisen wollen. Es hat zwar noch niemand einen Bedarf an einem „data wallet“ kundgetan, von daher ist das ziemlich egal, aber dass die User hier einen Spielraum bzgl. der Daten haben, die sie übermitteln wollen, ist nett von Frau Hannken. Wir freuen uns also schon mal darüber, dass man beim BMBF die DSGV anerkennt. (Wobei die NBA ein heftiges Problem hat, also in diesem mangels Bedarf äußerst theoretischen Szenario, wenn die NBA gehackt wird.)

Weiter soll die NBA auch noch die Kollaboration aller mit allen irgendwie fördern, wobei allerdings völlig unklar bleibt, wodurch irgendjemand derzeit an der Kollaboration gehindert wird. Die infos24 GmbH z.B. kollaboriert mit 100 von Leuten, die irgendwo auf dem Globus beheimatet sind. Die Motive sind hierbei höchst unterschiedlich, aber dem Autor fällt jetzt nichts ein, wobei die NBA hier förderlich sein könnte.

Beide Vetreter des BMBF reden ziemlich viel von „Nutzerzentrierung“. Allerdings bleibt völlig unklar, ob es irgendwelche Nutzer gibt, die einen Bedarf an den zu implementierenden Features wie „data wallet“,  der Hinterlegung von Zeugnissen haben oder an einer „lebensbegleitenden Bildungsreise“ innerhalb einer Nationalen Bildungsreise haben. Wenn Frau Hannink in sich geht, wird sie wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass sie selbst hieran auch kein Interesse hat. Bei „Nutzerzentrierung“ wäre es sehr sinnvoll, über eine professionelle Marktforschung herauszufinden, was die Nutzer überhaupt wollen.

Das ganze Ding soll dann noch international anschlussfähig sein. Vermutlich halluziniert sie, wie schon Frau Lucke, von einem Szenario, bei dem z.B. in einem Land erbrachte credit points in einem anderen anerkannt werden, was ja die Idee der Bologna Reform war. Diese Anerkennung ist bereits jetzt möglich und weitgehend unproblematisch, aber ein minor problem. Will jemand seine in Italien erbrachten credit points in Deutschland anrechnen lassen, weil er dort weiter studieren will, dann muss er vor allem mal Deutsch auf dem Niveau B2 beherrschen. Dabei ist die www.tedesco-online.de, ein Portal für Deutschlernende mit Italienisch Muttersprache hilfreich, die Anerkennung der credit points sind da ein Posten unter ferner liefen. Die Welt außerhalb Europas wird sich allerdings für die NBP der Frau Hannken schlicht nicht die Bohne interessieren.

Ähnlich wir geht es dann weiter bei Herrn Greisler. Der schlägt dann einen Bogen zum Onlinezugangsgesetz (http://www.gesetze-im-internet.de/ozg/). Das verpflichtet erst Mal Bund und Länder Verwaltungsdienstleistungen über Portale anzubieten. Irgendwie soll man jetzt wohl über die Nationale Bildungsplattform sein Auto anmelden können und sich für einen C++ Kurs bei einem privaten Bildungstäger registieren können. Praktisch wäre jetzt noch, wenn man auch die Geburtstagstorte über die Nationale Bildungsplattform bestellen könnte. Nach dem dritten Joint sind der Vernetzung einfach keine Grenzen mehr gesetzt. Konkrete Erfahrung mit digitalen Lernmedien spielen bei konzeptionellen Überlegungen eh keine Rolle, denn es gibt auch bei Herrn Greisler nichts, was vermuten lässt, dass er irgendwelche praktische Erfahrung hat auf dem Gebiet: https://www2.daad.de/medien/veranstaltungen/greisler_cv.pdf. Auf jeden Fall denkt er auch weltweit, wie genau allerdings lässt er offen.

Die Personalaustattung in dem Video von youtube entstammt Institutionen, die ihr Geld nicht am Markt verdienen. Das Problem hierbei ist, dass digitale Bildungsmedien fast ausschließlich von Unternehmen erstellt werden, die ihr Geld am Markt verdienen müssen. Das trifft im übrigen auch auf Schule und Hochschule zu. Wir haben zunehmend die Tendenz, dass private Anbieter mit Schule und Hochschule konkurrieren. (Was im übrigen immer schon so war. Lehrbücher, von privaten Verlagen erstellt, waren immer schon das Fundament in Schule, beruflicher Weiterbildung und Studium.) Der Markt für Bildung wird vor allem durch private Anbieter geprägt. Was digitale Bildungsmedien angeht, wird er faktisch ausschließlich von privaten Anbietern geprägt. Von den Akteuren der Nationalen Bildungspplattform ist keiner dabei, der mal tatsächlich digitale Lernmedien konkret erstellt hat, mit dem Ergebnis, dass die Perspektive der relevanten Akteure gar nicht ins Blickfeld gerät.

Private Anbieter digitaler Lernmedien werden nicht staatlich alimentiert, sondern verdienen ihr Geld, direkt oder indirekt, am Markt. Bzgl. der Refinanzierungskonzepte haben wir eine sehr weite Spannbreite: Freemium, werbefinanziert, Verkauf von Zusatzprodukten, Eigenwerbung, etc… Das ist mit dem bestehenden Ökosystem möglich. Ein Hokuspokus wie die NBA interessiert die Anbieter digitaler Lernmedien schlicht nicht, da es keinen Grund gibt, sich daran zu beteiligen. Endgültig hoffnungslos wird es, wenn diese ihre Angebote auch noch an die technischen Spezifikationen von irgendwelchen krautigen Prototypen anpassen sollen. In der Regel haben private Anbieter digitaler Lernmedien eine lange to do Liste an Dingen, die noch technisch zu implementieren sind. Da wird sich keiner die Mühe machen, die Angebote an irgendwelche Wahnvorstellungen von Mitarbeitern des BMBF anzupassen. Das ist schlicht unrentabel und für die User belanglos.

Der Markt für digitale Bildungsmedien explodiert geradezu, täglich kommen Tausende dazu. Der Markt ist hochgradig kompetitiv, innovativ, dynamisch und global. Was irgendeine Tante und irgendein Onkel beim BMBF meint, ist schlicht egal. In einer marktwirtschaftlichen Ordnung überlässt man es dem Markt herauszufinden, welche Angebote den Präferenzen der User entsprechen. Die Variante, die das BMBF vorschlägt, hatten wir schon und das ging ziemlich in die Hose. Neuerdings ist die Chefin der BMBF ja von der FDP, also viel Markt. Schauen wir mal was jetzt  passiert: Hic Rhodos, hic salta.

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