staunen, nicht ärgern

Die Nationale Bildungsplattform, da gehen sie eure Millionen, Teil IV

In diesem Dunstkreis wird man sich nun schnell einig, dass noch mal ordentlich gefördert werden muss, denn mit der institutionellen Förderung allein, kann man nicht glücklich werden, da müssen nochmal ein paar Millionen draufgesattelt werden. (Beim Institut für Informatik und Computational Science z.B. 7,2 Millionen.)
Das ist, wobei wir wieder bei Friedrich Hayek und Milton Friedman wären, keine Marktsituation. Im Markt treten mehrere Anbieter gegeneinander an und die Anbieter, die die Kundschaft überzeugen können, bzw. eine Strategie haben, die eine Refinanzierung des Angebots erlaubt, überleben. Die anderen scheiden aus. Hier haben wir eine andere Situation. Da alle an die Fleischtöpfe Ägyptens wollen, also an die Staatsknete, ist es rational, sich nicht gegenseitig den Fleischtopf strittig zu machen, sondern den Fleischtopf zu vergrößern. Da gelingt, in dem man den Beamten beim BMBF, die von dem Thema keine Ahnung haben, vom technischen Hintergrund sowieso nicht, weismacht, dass aller möglicher Kokoloris programmiert werden muss und alles irgendwie mit allem vernetzt werden muss, obwohl weder auf der Anbieter noch auf der Seite der Nachfrage hieran irgendein Bedarf besteht.

Ein Teilprojekt der Nationalen Bildungsplattform sind die Prototypen, das ist eine Metaplattform, verknüpft also alles mit allem: irgendwie. Insgesamt soll es davon vier geben, wobei zwei bekannt sind. Eine davon nennt sich Bird (Bildungsraum Digital) und stammt vom Institut für Informatik und Computational Science der Uni Potsdam und die andere nennt sich CLM (Common Learning Middleware) und wurde von Fraunhofer Fokus entwickelt. (Eine dritte Plattform wird von der
imc information multimedia communication AG erstellt, siehe https://imc-website-content.s3.eu-central-1.amazonaws.com/wp-content/uploads/sites/8/2021/10/12103935/DE_2021_10_PM_L3OOP.pdf. Wobei kein Mensch weiß, wer die eigentlich sind.)

Irgendwie mitbeteiligt an Bird ist Frau Prof.Dr.Ulrich Lucke. Die freut sich, ist aber auch enttäuscht.

„Dass nun so viel Aufmerksamkeit auf diesem Thema liegt, freut sie natürlich. Andererseits ist sie auch ein wenig enttäuscht. „Die Möglichkeiten waren früh schon gegeben. Das sind Themen, die seit Jahrzehnten diskutiert werden. Nun beginnt eine Hauruck-Digitalisierung. Das Thema wurde schlicht verschlafen“, so das ernüchternde Fazit der Informatik-Professorin. „Es hat alle etwas kalt erwischt. Die Lehrkräfte. Die Politik. Als dann 2020 plötzlich alle fit für Medien gemacht werden sollten, war das definitiv zu spät“, sagt Prof. Lucke.“

Die Architektin einer nationalen Bildungsplattform – Prof. Ulrike Lucke

??? Irgendwie scheint man im Dunstkreis des BMBF von der Realität wenig mitzubekommen. Eigentlich gar nichts. Also erstens mal wurde in den Jahren 2002 bis 20010 vom BMBF gefördert, was das Zeug hält. 1,5 Millionen Euro gab es allein für die Entwicklung von Sprachkursen Französisch, Italienisch, Spanisch. Die Teile waren allerdings so grottig programmiert, ein ziemliches Java Gedöns, dass das keine Sau interesssiert hat. Inzwischen sind sie verschwunden, was das prinzipielle, oben schon beschriebene Problem beschreibt. Es fließt beim BMBF zwar ein Haufen Geld, aber wenn das zu nichts führt, fällt das niemandem auf, weil es nie irgendjemanden interessiert hat. (Beschrieben wird das noch hier https://www.e-teaching.org/community/projekt_db/projekt_modulang, alle weiterführenden Links gehen aber ins Nirvana.) Mit sagenhaften 26,5 Millionen Euro wurde auch das gefördert: https://www.vhs-lernportal.de.

[Das mit den 26,5 Millionen Euro stand mal hier: https://www.bmbf.de/de/karliczek-12-millionen-euro-fuer-die-digitale-grundbildung-12934.html. Die Seite ist aber jetzt verschwunden. Also immer wenn man Informationen zu EUROS haben will, wird man beim BMBF sehr zugeknöpft. Der genau Text war: „Das vhs-Lernportal des Deutschen Volkshochschul-Verbands e.V. (DVV) bietet für Lernende kostenfreie digitale Lernangebote in den Bereichen Alphabetisierung und Grundbildung sowie Deutsch als Zweitsprache an. Ergänzt wird dies durch Angebote zur Vorbereitung auf das Nachholen des Schulabschlusses und weitere Themenfelder wie gesundheitliche Grundbildung. Die im vhs-Lernportal angebotenen Kurse können in Präsenzangebote im Sinne eines Blended-Learning-Konzepts integriert werden oder individuell ohne Anbindung an einen Kurs genutzt werden. Die tutorielle Begleitung der Lernenden im Lernportal erfolgt durch speziell geschulte Lehrkräfte. Das BMBF hat den Auf- und Ausbau des vhs-Lernportals seit 2014 bereits mit rund 14,5 Millionen Euro gefördert. Für die Jahre 2020 bis 2024 kommen nun weitere 12 Millionen Euro dazu.“ Den Text hat der Autor noch, weil er mal ein email an Herrn Rabanus geschickt hat, der ist für den Schlamassel mitveranwortlich.]

Auch dieses Portal wird irgendwann verschwinden, weil es in diesem Bereich, Deutsch als Fremdsprache, MILLIONEN kostenfreie Angebote gibt. Wir selbst machen sowas, z.b. https://www.curso-de-aleman.de.

Die zwei Beispiele mögen genügen, es gibt x andere. Der Autor schätzt, das zwischen 2002 und 2010 die Produktion von didgitalen Lernmedien mit etwa etwa 600 Millionen Euro, Bund / Länder / EU, gefördert worden. Allerdings ist dem Autor kein einziges Angebot bekannt, das tatsächlich marktreife erlangt hätte, also sich irgendwann selber tragen konnte, mit dem Ergebnis, dass sie alle wieder verschwunden sind. Das wird auch das Schicksal der Nationalen Bildungsplattform sein.

Also da liegt Frau Lucke vollkommen falsch, aber vollkommen. An einer Förderung hat es nicht gemangelt. Ganz und gar nicht. Das Problem war nur, man hat Leute gefördert, die es nicht können, bzw. die weniger an der Erstellung digitaler Lernmedien interessiert waren, als an den Fleischtöpfen Ägyptens. Auch mit ihrer These, dass Corona bedingt eine Hauruck-Digitalisierung stattgefunden hätte, liegt sie vollkommen daneben. Aber so daneben, dass man sich fragt, wo die Frau die letzten 20 Jahre gelebt hat. Es gibt inzwischen zu jedem Thema, zu jedem Detail eines Themas, für verschiedene Gruppen, von der Grundschule bis zu Angeboten mit wissenschftlichem Anspruch MILLIONEN von digitalen Lernmedien aller Art, komplette Kurse, Videos, Apps, pdf, zips zum download, synchron und asynchron auf allen Kanälen. Wenn also Frau Lucke enttäuscht ist, dann kann ich sie da trösten. Der Impact auf den Markt war im übrigen auch gewaltig. In dem Bereich, in dem der Autor dieser Zeilen tätig ist, also Sprachportale, hat das Internet eine Schneise der Verwüstung geschlagen. Praktisch kein Verlag in diesem Bereich, Langenscheidt, Assimil, Digital Publishing hat das überlebt. Gehalten haben sich nur die Schulbuchverlage, Klett, Cornelsen, Westermann, die in einem institutionalisierten Rahmen agieren und ihre Kunden qua Kultusministerkonferenz zugewiesen bekommen.

Wie dem auch immer sei, Frau Lucke ist traurig. (Wobei davon auszugehen ist, dass 7,2 Millionen den Schmerz lindern. Nicht so fett wie das, was SAP für die Schulcloud bekommen hat, das waren 12 Millionen, aber doch noch ein schönes Trostpflaster.)

„Ich habe erlebt, dass die Fortschritte der Forschung es überwiegend nicht in die Praxis geschafft haben. Das macht mich traurig.“ Aber so sei eben die Rolle der Wissenschaft, sagt sie und betrachtet die Situation pragmatisch: „Ich sehe die Aufgabe der Wissenschaft darin, der Gesellschaft zu zeigen, was alles möglich ist. Ich kann darlegen, welche Handlungsoptionen es gibt. Die Entscheidungen treffen andere.“

Die Architektin einer nationalen Bildungsplattform – Prof. Ulrike Lucke

Also wenn die Fortschritte der „Forschung“ es nicht in die Praxis geschafft haben, dann kann das darin liegen, dass irgendwelcher Programmierkokoloris der sowohl für die Anbieter wie auch die User digitaler Lernmedien völlig irrelevant ist, schlicht niemanden interessiert und Leute da irgendwas zusammenprogrammieren, die schlicht den Markt nicht kennen. Was geht, zeigen die Leute, die konkret am Markt agieren. Die Wissenschaft zeigt dann eher, wie man gewaltige Summen an Steuergeldern versenkt und das Problem ist, dass eben die Entscheidungen von Leuten wie Frau Hannken und Herrn Greisler, zu denen kommen wir gleich, getroffen werden und nicht von Leuten, die für Fehlentscheidungen und grottige Produkte auch persönlich haften. Das Problem ist also nicht nur „Macht ohne Kompetenz“ sondern vor allem „Macht ohne Verantwortung“. Wer also mit der marktwirtschaftlichen Ordnung hadert, der kann hier lernen, dass die objektive Kontrolle durch den Markt durchaus Sinn macht und alternative Vorgehensweisen wohlbegründet sein müssen, wobei Transparenz die Conditio sine qua non ist.

Ihr Bedauern, dass es Fortschritte in der „Wissenschaft“ nicht in die Praxis geschafft haben, ist auch so richtig nachvollziehbar. Wenn es da einen Fortschritt gab, wäre es doch naheliegend, diesen Vorteil auszunutzen. Sie hätte also die Hammer e-learning Programme hinsetzen und damit den Markt aufmischen können. Sie hat es aber vorgezogen, sich an die Fleischtöpfe Ägyptens ranzumachen. Vermutlich, weil aus Sicht der Praxis gar kein Vorteil erkennbar ist.

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