staunen, nicht ärgern

Die Nationale Bildungsplattform, da gehen sie eure Millionen, Teil IV

Ähnliches hat der Autor schon erlebt, mit der Fakultät für Romanistik. Die infos24 GmbH hatte ursprünglich gar nicht vor, selber Sprachportale zu entwickeln, wir waren mal auf anderen Baustellen unterwegs. Der Plan war, Studenten in Internettechnologien zu schulen, damit die das dann machen. Daran zeigte das Institut für Romanistik, namentlich Frau Dr. Caspari, kein Interesse. Ihre Argument: Es gibt schon Lernprogramme für Sprachen, das braucht man nicht. Als dann aber das BMBF anfing Geld auzutüten, hat eben selbige „irgendwas mit Medien“ gemacht. (https://www.e-teaching.org/news/eteaching_blog/blogentry.2009-04-07.7935708292.) Irgendwann gab es dafür 250 000 Euro, interessiert hat das allerdings schlicht niemanden. Also das Muster ist immer ähnlich.

Wieso man bei der Uni Potsdam (Bird) bzw. bei Fraunhofer Fokus (CLM) davon ausgeht, dass die Features, die man in die Prototypen reinprogrammieren will, relevant sind, erschließt so richtig niemandem. Offensichtlich auch nicht Frau Lucke (Bird) oder Herrrn Krauß (CLM). Fragt man nach, woraus sie schließen, dass die Anbieter digitaler Lernmedien oder die User digitaler Lernmedien ein Interesse an z.B. „single sign in“ bzw. einem „data wallet“ haben, fällt die Antwort dürftig aus.

„Single sign in“ soll den Zugriff auf alle über die Nationale Bildungsplattform indirekt zugänglichen digitalen Lernmedien erlauben. (Indirekt, weil die Nationale Bildungsplattform sich als „Meta“ Plattform versteht, sie soll also die Angebote der z.B. Bundesländer, für die sich schon kein Mensch interessiert und die lediglich ein Sammelsurium an eklektisch zusammengesuchten Lernmedien sind, über ein einheitliches Login zugänglich machen.) Des weiteren sollen die User ein „data wallet“ haben, also persönliche Daten speichern können und bei Bedarf an verschiedene Einrichtungen, Behörden, Unternehmen etc. über die Nationale Bildungsplattform übermitteln können.

Die Frage, die sich stellt ist die? Wer will sowas, wer braucht sowas und diese Frage kann weder Frau Lucke, Universtität Potsdam, noch Herr Krauß, Fraunhofer Fokus, noch Herr Pfisterer, BMBF beantworten. Auf eine Nachfrage unsererseits antwortete die erste schlicht gar nicht, der zweite meinte, meinte, dass er die Frage nur in einer Video Schalte beantworten könnte, das haben wir uns gespart, weil ein Dreizeiler ja als Antwort genügt hätte, und beim dritten haben wir die Frage schon gar nicht mehr gestellt, denn der will für jede Antwort 40 Euro.

Last not least gab es zu dem Thema noch ein Webinar mit Unternehmen / Verbänden aus dem Bereich digitaler Lernmedien und dem VDI/VDE-IT. Die Rolle des VDI/VDE-It ist zwar unklar, vermutlich sollen die den Kontakt zu privaten Anbietern digitaler Lernmedien halten, aber die eigentlich sehr simple Frage, wer denn ein Interesse an „single sign in“ bzw. „data wallet“ haben könnte, fand auch die Mitarbeiter de VDI/VDE-It ziemlich sprachlos.

(Beim VDI/VDE-It wäre natürlich interessant zu wissen, wie viel vom Kuchen die abbekommen haben und konkret für was. Das sollte uns Herr Pflisterer verraten. Der schwadronierte dann erstmal von einem Rahmenvertrag, über den die vertraglichen Verbindungen zwischen dem BMBF und dem VDI/VDE-IT geregelt werden. Auf die konkretere Frage, wie viele Mannstunden für Leistung des VDI/VDE-It veranschlagt wurden und zu welcher Stundensatz zugrunde gelegt wurde, erhielten wir das als Antwort.

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Bundesministerium für Bildung und Forschung
Heinemannstraße 2
53175 Bonn

Az.: PGDB-18501/166(2021)
Berlin, 09.12.2021

Sehr geehrter Herr Ehmann,

vielen Dank für Ihre Nachricht, in der Sie mitteilen, dass Sie eine gebührenfreie Beantwortung Ihrer Fragen wünschen.

Wie ich in meiner Nachricht vom 09.12.2021 bereits dargelegt habe, geht mit der Zusammenstellung der von Ihnen begehrten Informationen ein erhöhter Verwaltungsaufwand einher, der sich in Gebühren niederschlagen wird.

Sollte ich bis zum 17.12.2021 nichts Gegenteiliges von Ihnen hören, gehe ich daher davon aus, dass Sie an einer weiteren (gebührenpflichtigen) Bearbeitung Ihres Antrags kein Interesse haben.

Sollten Sie sich in Ihrem Recht auf Informationszugang nach dem IFG verletzt sehen, so können Sie gemäß § 12 IFG den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) anrufen. Die Widerspruchs- und die Klagefrist werden durch die Anrufung des BfDI nicht gehemmt.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Stephan Pfisterer
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Kann sein, dass der Dr. Pfisterer dort als (teurer) Hiwi beschäftigt ist und keinen Zugriff hat auf das System zur Dokumentenverwaltung beim BMBF. Dann stellt sich allerdings die Frage, warum jemand, der keine Ahnung hat, mit der Beantwortung von Fragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz beauftragt wird, wobei auch ein Hiwi in der Lage sein müsste, qua Telefon derart simple Informationen zu recherchieren. Das obige email hat eine Vorgeschichte, die vermuten lässt, dass auch die Zahlung von 40 Euro letztlich nicht zielführend gewesen wäre. Die Vorgeschichte kann man hier nachlesen: https://fragdenstaat.de/anfrage/nationale-bildungsplattform/#nachricht-644178. Dort konzediert der Herr Pflisterer auch, dass es keine empirischen Daten gibt und auch nicht versucht wurde, solche zu eruieren, aus denen sich ergibt, dass irgendjemand einen Bedarf nach einer Nationalen Bildungsplattform hat. Nach Aussagen von Herrn Pflisterer gab es bzgl. der VDI / VDE-IT auch eine Ausschreibung. Offensichtlich hat an dieser aber nur das VDE / VDE-It teilgenommen. Das war wohl eine Ausschreibung, die keiner mitbekommen hat: https://ausschreibungendeutschland.de/810035_Projekttraeger_und_Projektbuero_Nationale_BildungsplattformReferenznummer_der_Bekanntmachung_2021_Berlin. Daraus ergibt sich, dass 33 608 790.00 EUR an das VDI/VDE-IT ausgetütet wurden, wobei der Auftrag so vage beschrieben wurde, dass kein Rückschluss auf den tatsächlichen Arbeitsaufwand möglich ist.Der kann also auch durchaus in der Nähe von Null liegen, was dann ein ordentliches business wäre.)

Hinsichtlich der Frage, was die Nationale Bildungsplattform leisten soll, gibt es ein Statement vom BMBF in diese Video:

Frau Hannken ist beim BMBF zuständig für berufliche Bildung, wobei sich aber nicht erschließt, was die Frau für diesen Job qualifiziert. Studiert hat sie Jura, ein praktischer Bezug zu digitalen Lernmedien ist nicht erkennbar, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Catrin_Hannken und es ist auch nicht ersichtlich, dass sie in ihrem ganzen Leben mal eine einzige Zeile Code geschrieben hat. Last not least kann man sich fragen, was die Frau mit beruflicher Bildung zu tun hat. Es ist nicht ersichtlich, dass sie jemals ein Unternehmen von Innen gesehen hat. Den ganzen Vortrag von ihr kann man zusammenfassen als freies Assoziieren im Raum, bei herabgesetzter Denkleistung. (Das stammt von Musil, der Mann ohne Eigenschaften. Wer philosophisch gestimmt ist, dann auch Ähnlichkeiten finden zwischen der Parallelaktion und der Nationalen Bildungsplattform.) Der ganze Vortrag ist ein lange Kette an Worthülsen, die Nationalbildungsplattform soll strukturbilden, international anschlussfähig, leistungsfähig, Infrastrukturprojekt, nutzerzentriert, Vernetzungsplattform / Metaplattform, einheitliche Plattform Ökosystem, serviceorientiert, lebensbegleitende Bildungsreise, Bildungsangebote bruchlos miteinander vernetzt. Die ganzen Schlagwörter kann man nun unter Müll verbuchen. Das prinzipielle Problem ist, dass das BMBF, wohl mit freundlichem Zuspruch der Institutionen, die an die Fleischtöpfe Ägyptens kommen wollen, hier vage Ziele definiert, die schlicht niemand realisiert haben will. Der ganze Vortrag ist ein einziges sinnfreies Gelaber von jemandem, der keinerlei Praxiserfahrung hat, das heißt noch nie digitale Lernmedien konkret entwickelt hat. Ein weiteres Problem ist, dass im Dunstskreis des BMBF nur Institutionen auftauchen, die mit dem BMBF insitutionell verbandelt sind. Die sind aber für den Markt weitgehend irrelevant.

Frau Hannken meint, dass die Orientierung bei den zahlreichen Bildungsangeboten schwierig ist, und dass die nationale Bildungsplattform hier Hilfestellung bieten kann. Die Feststellung hat gleich zwei Probleme. a) ist die Orientierung nicht schwierig und b) ist völlig unklar, inwieweit die nationale Bilddungsplattform die hypostasierten Orientierungslosigkeit mildern könnte. Schüler, Studenten, Auszubildende oder Leute, die beruflich bedingt sich in irgendwas qualifizieren müssen, haben einen konkreten Bedarf. Sie geben dann bei der Suchmaschine ihres Vertrauens die entsprechenden Schlagwörter ein und erhalten zu jedem Thema in beliebiger Tiefe und in beliebigen Formaten Tausende an Treffern. Wer Nachhilfe braucht in Buchhaltung, gibt halt Buchhaltung lernen ein, wer als Student Proleme hat mit dem IS-LM Modell, tackert hat IS-LM Modell ein, wer eine kompletten Kurs über Java machen will, kann das an einer virtuellen Uni machen oder eben ohne Registrierung. Wer mehr erfahren will über den Antisemitismus bei Martin Luther, der kann sich informieren. Über Websites, Videos, pdfs oder wie auch immer. Wer prinzipiel desorientiert ist, dem liefert auch die Nationale Bildungsplattform keine Orientierung. Als Ziele nennt sie:

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