staunen, nicht ärgern

Dialekte: Ein Thema, über das es schwierig ist, belastbare Aussagen zu machen.

Abweichungen von der Norm sind zwar in allen Sprachen ein Thema, wie diese videos zeigen


aber vermutlich nicht überall auf die gleiche Weise. Das sehr trügliche Bauchgefühl des Autors sagt ihm aber, dass deutsche Dialekte eine Sonderstellung einnehmen. Sie sind nicht neutral, haben ein starkes Kolorit oder anders ausgedrückt, sie sind ein spezifischer Stil und es lassen sich nicht beliebig viele Stile damit realisieren. Akzente in anderen Sprachen sind stilistisch offener, das heißt, dass man verschiedene Stile damit realisieren kann. Ein trügliches Bauchgefühl, dem im Netz am Laufmeter widersprochen wird.

They immediately mark out who we are and they form a core part of our identity. Entire stereotypes have built up around different accents – New Yorkers are rude, British RP speakers are educated, Yorkshire speakers are trustworthy, Southern Americans are pleasant, and Birmingham speakers, depending on who you ask, either sound melodic or like criminals. Accents can be funny things… until they’re not.

Hier geht es aber um ein anderes Thema. Hier geht es um die Frage, ob bestimmte Akzente mit bestimmten Eigenschaften verbunden werden. Des Weiteren glaubt der Autor das nicht. Wer eine Stunde lang CNN oder BBC hört, der hat dann ein derart breites Sortiment an englischen Akzenten gehört, dass davon auszugehen ist, dass im Englischen der Akzent kaum noch eine Rolle spielt. (Was Englisch als Fremdsprache im übrigen nicht gerade gemütlicher macht.) Womit wir dann zum vierten Punkt überleiten.

ad 4. Stigmatisierung Durch Dialekte / Akzente?

Das Thema Dialekte oder Akzente wird meist und ziemlich oft ausschließlich unter einem anderen Gesichtspunkt diskutiert. Behauptet wird, dass Dialekten oder Akzenten ein Stigma anhaftet und von daher in bestimmten Kontexten nachteilig sind. Weiter wird behauptet, dass die Stigmatisierung das Ergebnis eines sozialen Prozesses ist.

People from different places are associated with distinct characteristics and as a result, the accents they use are also associated with those characteristics. Speakers of SSBE (Standard Southern British English = BBC Englisch, „offizieller“ Standard) are thought of highly as they are seen as being professional, successful, and wealthy. People who speak with strong urban dialects are often considered to have lower status because of a historical reputation of those areas for higher crime rates, unemployment, and industrialisation. However, people from other countries have not grown up around these specific cultural stereotypes and have not developed these perceptions. As a result, they do not associate those characteristics with the accent and so they rate speakers differently.

Und an einer anderen Stelle wird versucht, das Phänomen zu erklären.

In addition, our own experiences impact our attitudes. If we have (or hear of someone we know having) a negative or positive experience of someone from a particular town or city, we subconsciously connect those good or bad feelings with certain features, such as their accent. When we later hear that accent, this can trigger those feelings and make us attribute them to anyone who talks in that way.

Das Phänomen gibt es unstrittig. Menschen neigen nun mal dazu, ein Verhalten, das sie missbilligen, irgendwie erlären zu wollen und die geographische Herkunft, die Angehörigkeit zu einer Gruppe, die Religion etc. bietet sich als Erklärungsmuster an. Das Erklärungsmuster greift aber nur, wenn der Dialekt außerhalb der Gegend gesprochen wird, wo er ursprünglich beheimatet ist. In seinem Stammland sprechen ja alle so, so dass der Dialekt als distinktives Merkmal ausfällt. Vermutlich neigen Menschen aber auch dazu, sich über jede Art von abweichendem Verhalten zu mokieren, das ist dann der harmlose Fall, oder sogar zu diskriminieren, das ist dann der weniger harmlose Fall. Beides ist, naheliegenderweise, nur möglich, wenn der Akzent in einer Gegend gesprochen wird, wo er nicht beheimatet ist.

Der langen Rede kurzer Sinn. Ohne empirisches Material, kommen wir hier nicht weiter. Will man prüfen, ob Dialekte in jeder Sprache ein eigenes Kolorit haben, müsste man das für jede Sprache durchexerzieren. Also z.B. ein Gedicht von Chayam auf Persisch und auf Dari (der afghanischen Variante) lesen lassen und sich dann Tausend gebildete Perser zu befragen, bzw. ein Gedicht von Becquer in verschiedenen Spanischen Akzenten etc. etc… Der Autor würde aber sagen, dass zumindest deutsche Dialekte an und für sich schon ein eigenes Kolorit haben und dieses nicht im Laufe der Zeit durch soziale Prozesse erhalten.

Dieses eindeutige Kolorit dürften eine Fremdsprache in der Regel aber nicht haben. Zumindest die Standardsprache, die von Land zu Land verschieden sein kann, dürfte stilistisch offen sein, so dass Literatur wohl meistens, von Extremfällen mal abgesehen, ohne Verlust übersetzt werden kann, wobei man unschwer Beispiele finden kann, bei denen die Übertragung in eine andere Sprache extrem schwierig, aber möglich ist. Das zum Beispiel, und das ist ein extremes Beispiel, funktioniert.

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum-
Und sehe, daß wir nichts wissen können!

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Ay, he estudiado ya filosofía,
jurisprudencia y medicina
y también, por desgracia, teología,
todo ello en profundidad extrema
y con enconado esfuerzo.
Y aquí me veo, pobre loco,
sin saber más que al principio.
Tengo los títulos de licenciado y de doctor
y hará diez años que arrastro
mis discípulos de arriba abajo,
en dirección recta o curva,
y veo que no sabemos nada.

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