staunen, nicht ärgern

Ist Staatsverschuldung ein Problem?

Sinnvoll wäre gewesen, den Griechen mal freundlich mitzuteilen, dass das so nicht ewig gehen kann. Der Radikalstopp allerdings, entzog dem Land die Mittel, die es für einen Strukturwandel gebraucht hätte und führte das Land an den Rande des Zusammenbruches. Wir werden jetzt in den nächsten Jahren die gleiche Diskussion haben, wenn Italien seine Staatschulden nicht mehr bezahlen kann, allerdings ist Italien ein paar Nummern größer. Macht man dasselbe wie mit Griechenland, dann dürfte ziemlich Schluss sein mit Europa. Endgültig Schluss ist, wenn auch Frankreich in die Bredouille gerät.

Sub specie aeternitatis, also wenn man Aussagen treffen will, die für die Ewigkeit gelten und nicht die relativ langweiligen Tagesthemen durchkaut, ist auch die Coronal Pandemie jetzt nicht besonders spannend, bzw. nur insofern, indem sie Anlaß geben kann zu allgemeinen Erläuterungen, die auch noch in fünf Jahren einen Nährwert haben. Wir interessieren uns für die Corona Pandemie also nur sub specie aeternitatis. Im Zusammenhang mit der Corona Krise wird die Staatsverschuldung in allen Staaten gewaltig ansteigen. Die 1,6 Billionen, die die Europäische Kommission jetzt austütet, ist richtig Schotter. Zum Vergleich: Die gesamte Wirtschaftleistung der BRD, immerhin der 4. größten Weltwirtschaft, beträgt 4,2 Billionen. Diese Kreditaufnahme wird zu keinerlei Vermögen führen, das an die nachfolgende Generation vererbt werden kann. Wenn aber auch diese Ausdehnung der Geldmenge nicht zur Inflation führt, dann kann die EZB diese Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt aufkaufen und im Ofen verbrennen.

Damit kommen wir dann zur Kernfrage. Wann wird die Staatsverschuldung eigentlich zum Problem, wobei wir das nur diskutiere müssen, wenn es sich um Investitionen des Staates handelt, also Investitionen über Kredite finanziert werden, da es bei einer konsumtiven Verwendung ja klar ist. Von dem berühmt berechtigten Multiplikator Effekt, den Keynes in der General Theory of Employment, Interest and Money auf einer halben Seite erwähnt, der haber heute als Herzstück der keynesianischen Theorie gelehrt wird, sehen wir ab. Um es zu vereinfachen. Die Wachstumsimpulse fließen in einer globalen Wirtschaft ab ins Ausland. Das Land, das seinen Konsum über Kredite finanzierte, bleibt auf den Schulden hängen und der Wachstumsimpuls geht ans Ausland.

Der Staat könnte jetzt also klotzen und nicht kleckern und z.B. mal z.B. eine Billion für die Erstellung von Wohnraum zur Verfügung stellen. Also nicht irgendwelche Plattenbau ähnlichen Teile, die man in fünfzig Jahren wieder abreissen muss, sondern so richtig edle Teile, die dann 500 Jahre stehen. (Haut hin, wenn man nicht zwischendrin immer mal wieder einen Krieg anzettelt.) Die Tilgungsdauer kann dann solange sein, wie die Gebäude halten, also 500 Jahre. Der Zins kann so ziemlich bei Null liegen, es reicht, wenn er gerade noch die Verwaltungskosten der Kreditinstitute deckt. Der Zins hat nur in der Vollbeschäftigung eine Allokationswirkung, da entscheidet er zwischen Konsum und Investieren. Das Problem ist, dass dann erst allmählich, also innerhalb von 500 Jahren, das Geld dem Wirtschaftskreislauf wieder entzogen wird, es aber sofort nachfragewirksam wird. Das heißt die Architekten, Bauingenieure, Maurer, Fliesenleger, Gas- Wasserinstallateure etc.. kaufen sich sofort die dicken SUVs, statten ihre Wohnungen mit den schicksten Möbeln aus, kleiden sich in Hugo Boss Klamotten etc. etc… Dieser Nachfrage steht dann unter Umständen kein Angebot mehr entgegen. Wir hätten eine ähnliche Situatio wie nach dem Fall der Mauer, als die notorisch positive Leistungsbilanz der BRD ins negative rutschte und es zu einer leichten Inflation kam. Allerdings können wir aus dem Fall der Mauer etwas lernen. Damit es zu einer Inflation kommt, bzw. eine positive Leistungsbilanz ins negative rutscht, muss die Ausdehnung der Nachfrage wirklich gewaltig sein.

Sieht man von diesem Problem ab, das relativ gering sein dürfte, wir werden jetzt erleben, ob die Ausdehnung der Geldmenge bei gleichzeitiger Corona bedingten Einschränkung des Angebots zur Inflation führt, gibt es wohl keine Probleme. Die schwarze Null ist ein Irrsinn. (BEI INVESTIVER VERWENDUNG.) Die kommenden Generationen werden sich kaum beschweren, wenn sie ein Vermögen erben, dass die Schulden weit übersteigt. In diesem konkreten Beispiel, Immobilien zu Wohnzwecken, ließe sich auch durch den demographischen Wandel bedingten Probleme mit der Rentenversicherung entspannen. Debatten im deutschen Bundestag drehen sich um so spannende Fragen, ob die Rente in zwanzig Jahren 50 Euro mehr sein soll oder 60 Euro. Das ist völlig wurscht. Ob allerdings bei der Miete alle Gewinnanteile abgeschmolzen sind und sie gerade noch so hoch ist, um die Tilgung, die Zinsen und die Erhaltung zu finanzieren, macht einen Riesenunterschied. Die marktirtschaftliche Ordnung kann man, ähnlich bei Straßen, Brücken, Krankenhäuser etc. ausschalten, weil die Anzahl an möglichen Alternativen überschaubar ist. Wir brauchen Marktwirtschaft, wenn wir nicht alle Alternativen kennen. Wir sind dann darauf angewisen, dass mehrere in den Markt eintreten und sich dann die beste durchsetzt. Diese Komplexität haben wir bei Infrastrukturmaßnahmen nicht. Wir bauen nicht mehrer Straßen parallel zueinander um dann zu schauen, welche von den Autofahrern genutzt wird.

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