staunen, nicht ärgern

der Tod: Eine poetische Betrachtung eines ernsten Themas

 

Nunca perseguí la gloria
Ni dejar en la memoria
De los hombres mi canción
Yo amo los mundos sutiles
Ingrávidos y gentiles
Como pompas de jabón
Me gusta verlos pintarse
De sol y grana, volar
Bajo el cielo azul, temblar
Súbitamente y quebrarse

Frei übersetzt ins Deutsche:

Nach Ruhm strebte ich nie
mein Wunsch war nie
dass die Menschen
sich meines Liedes erinnern
meine Welt ist schwerelos
und sanft wie Seifenblasen
die schimmern leuchten
sonnig oder tiefrot, schwebend
unter dem blauen Himmel, dann
ein Zittern und ein Ende

Wer nicht nach Ruhm strebt und kein Interesse daran hat, dass die Leute sich seiner Taten erinnern, ist offensichtlich nicht mit einer Mission unterwegs und hat, um mal ein Beispiel aus den zahlreichen philosophischen Optionen zu wählen, auch nur geringes Interesse daran, den Weltgeist bei seiner Mission zu unterstützen. Weder als Weltgeist zu Pferde, noch als Blümchen am Wegesrand, das der Weltgeist bei der Erfüllung seiner Mission zertritt. Das ist eine Absage an jeden Versuch, den Sinn des Lebens in Dingen zu suchen, die jenseits des Diesseits liegen. Gefeiert wird das Leben als farbenfrohe Leichtigkeit, die auf nichts jenseitiges rekurriert.

Manuel Serrat hat dem Gedicht von Antonio Machado nun noch vier Verse vorangestellt.

Todo pasa y todo queda
Pero lo nuestro es pasar
Pasar haciendo caminos
Caminos sobre la mar

Alles verweht und alles bleibt
doch wir kommen und gehen
im Gehen bahnen wir uns unseren Weg
Wege auf dem Meer

Verwehen und dennoch bleiben ist nun ein Widerspruch in sich. Das ist offensichtlich. Verständlich ist das nur, wenn man von einem festen Kern ausgeht, der in den mannigfachen Erscheinungen des Lebens, das man ja bei ausreichender Vernunft durchaus mit einer Leichtigkeit ausstatte könnte, stabil bleibt. Dieser Kern kann von einer höheren Instanz vorgegeben sein oder eben auch nicht.

Denselben Gedanken finden wir schon bei Goethes Faust. Dieser endet ja bekanntlich so.

Alles Vergängliche, ist nur ein Gleichnis
das das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis
das Unbeschreibliche, hier ist’s getan

Es gibt also einen inneren Kern, der durch die mannigfachen Erscheinungen des Lebens durchscheint, selber aber nicht greifbar ist. Ob in Goethes Faust dieser Kern von Gott stammt, ist fraglich, den dieser hat ja in Goethes Faust keinen Plan, weshalb er Faust ja als seinen Knecht bezeichnet, der die Möglichkeiten austesten soll. Der Unterschied zwischen einem Gott, der keinen Plan hat und einem Gott, der schlicht nicht existiert, besteht nur ein marginaler Unterschied. Anders formuliert: Die Frage nach Gott ist bei Goethe schlicht irrelevant.

Das Leben wird durch die Absage an die Metaphysik zum ultimativen Mysterium und nur das Leben selbst kann den Schleier lüften. Im Leben gibt es etwas, was in mannigfaltiger Form immer wieder dasselbe zeigt, wobei wir den Kern allerdings nur schwach erahnen können, präzise beschreiben lässt er sich nicht. Die Absage an einen übergeordneten Sinnzusammenhang, macht das Leben selbst zur letzten Instanz.

Sind Leute mit irgendeiner Mission unterwegs, dann folgen sie Pfaden, die schon andere gegangen sind. Hier aber haben wir Wege auf dem Meer und auf dem Meer, gibt es keine Trampelpfade. Auf dem Meer gibt es allerhöchstens ein Glitzern.

Caminante no hay camino
Sino estelas en la mar

Wanderer, es gibt keinen Weg
sondern nur ein Glitzern auf dem Meer

Auch da ergibt sich eine Parallele zu Goethes Faust. Faust verlässt die Trampelpfade, was ihn wiederum auf manche Irrpfade bringt, wobei das Mysterium des Lebens eben nur aufgedeckt werden kann, wenn die Trampelpfade verlassen werden. Das erklärt im übrigen auch die Ablehnung Goethes an die Romantik. Auch wenn die Party irgendwann vorbei ist und wir nie erfahren werden, wie die Geschichte endet, weil wir irgendwann aus dem Theatersaal geworfen werden, bleibt das Leben selbst das letzte Mysterium. (Wobei das mit dem aus dem Theatersaal geworfen werden relativ ist. Ernst Bloch hat so mehr oder weniger durchdekliniert, wohin die Reise geht. Wir sind dann zwar nicht mehr dabei, aber so ungefähr können wir uns ausrechnen, wohin die Reise gehen kann.)

Wem das jetzt alles zu langatmig war, der halte sich an die Kurzform, die stammt von Wedekind.

Rückblick

Wie hab’ ich nun mein Leben verbracht?
Hab’ viel gesungen, hab’ viel gelacht,
Unzähligen Menschen Freude beschert,
Doch den Fröhlichen stets lieber zugehört.
Denn mein Gedicht, wenn man’s nicht übel nimmt,
War immer zuerst nur für mich bestimmt.
Und ward’s mit den Jahren wesentlich stiller,
Mir selber pfeif’ ich noch oft einen Triller
Im Genusse der höchsten Lebensgabe,
Daß ich nie einen Menschen verachtet habe.
Nur mit Einem lag ich in ewigem Streit,
Mit dem hohlen Götzen der Feierlichkeit.
Denn ein vornehmer Mensch ist selbstverständlich,
Macht nicht seine Vornehmheit extra kenntlich
Und wird sich mit größtem Gewinn bequemen,
Den eigenen Wert nicht ernst zu nehmen,
Weil ihm die, so er sich zu Gast gebeten,
Dann reicher und freier entgegentreten. –
Und wenn nun das Trugbild mählich entschwebt,
Dann sag’ ich: Ich habe genug gelebt
Und verspüre wahrlich kein großes Verlangen,
Die Übung noch einmal von vorn anzufangen,
Denn für den Einzelnen der Ertrag
Ist plus minus null für jeglichen Tag.
Was aber irgend übrig bleibt,
Wird der Kraft der Lebendigen einverleibt.

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