staunen, nicht ärgern

Was machen eigenlich Historiker? Irgendwas zwischen verstehen, erklären, beschreiben, interpretieren, illustrieren, erläutern und unterhalten.

Historiker sind üblicherweise, ob an der Uni oder an der Penne, Beamte und Beamte, haben nun mal die merkwürdige Eigenschaft, über ihr Tun selten nachzudenken. Eine Tatsache, die systemisch betrachtet erwartbar ist. Jemand der sein Geld dafür bekommt, Erwartungen zu erfüllen, erfüllt diese Erwartungen und er wird einen Teufel tun, diese Erwartungen selbst zu hinterfragen, siehe auch: https://theatrum-mundi.de/wie-bringt-man-eine-gesellschaft-auf-linie/.

Fragt man einen professoralen Historiker, wofür er sein Geld bekommt, dann blubbert das eben seit Hunderten von Jahren immer gleich: Für die Identitätsfindung sei das wichtig, denn nur wer weiß, wo er herkommt, weiß wer er ist. Konkreter muss es dann nicht werden, obwohl man sich fragen könnte, was identitäststiftender ist. Profunde Kenntnisse über die Bauernkriege, die Märzrevolution, das wilhelminische Zeitalter oder der Nationalsozialismus.

Aus der Geschichte soll man auch lernen können, wobei aus dieser abstrakten Formulierung nicht wirklich entnommen werden kann, was man denn eigentlich konkret lernen kann.

Dann spuckt noch die Idee in den Köpfen, dass eine gemeinsame Geschichte irgendwie verbindet. Da würde der Autor jetzt knochentrocken behaupten, im Zeitalter der Globalisierung wird das mit der gemeinsamen Geschicht ziemlich relativ.

Historiker sind dann auch der Meinung, verpackt in viel Husserl und Rickert etc.. dass Geschichte eine idiographische Wissenschaft sei, die also nicht nach allgemeinen Gesetzen sucht, das machen die nomothetischen Wissenschaften, sondern den Einzelfall. Nimmt man es genau, sind diese Leute der Meinung, dass es in der Geschichte, im Gegensatz zur Physik, keine allgemeingültigen Gesetze gibt, folglich auch keine gefunden werden können. Eine Aussage, über deren Wahrheitsgehalt man diskutieren könnte. Carlos Murx z.B. sah in der Geschichte eine quasi naturgesetzliche Entwicklung, was natürlich Quark ist. Wenn sich aber Geschichte mit dem allgemeinen menschlichen Gewusel der letzten 3000 Jahre befasst, dann wäre z.B. die Psychologie ein Kandidat, der die in der Geschichte wirkenden erklären könnte und die Psychologie würde sich wohl eher zu den nomothetischen Wissenschaften zugehörig empfinden.

Historiker gehen des weiteren davon aus, dass es da einen „Erkenntnisfortschritt“ gibt und folglich findet man so mehr oder weniger in jeder zweiten Semesterarbeit, bei Doktorarbeiten sowieso, so nette Teilsätze wie „neuere Erkenntnisse der Forschung beweisen…“ oder „ist Gegenstand weiterer Forschung und sprengt den Rahmen dieser Arbeit“.

Das ganze Blabla lässt sich jetzt kurz und bündig zusammenfassen. Historiker fröhnen vor allen Dingen ihren Hobbys, wobei es am schönsten ist, wenn qua Steuergelder das Hobby auch noch bezahlt wird. Daher rührt dann der Ehrgeiz.

Eine der, zahlreichen, Jugendsünden des Autors, war, dass er tatsächlich mal, neben vielen anderen Dingen, auch mal Geschichte studiert hat. Bis zum bitteren Enden. Allerdings hat sich ihm bis zum Schluss nicht erschlossen, was er da eigentlich macht.

Will man die Bandbreite der Möglichkeiten erfassen, könnte man einen Abgleich versuchen mit dem durch die Begriffe verstehen, erläutern, interpretieren, erklären, beschreiben, illustrieren aufgespanntem semantischen Feld. Dazu kommt dann noch Unterhaltung.

Der Begriff verstehen z.B. ist zweideutig. Man kann jemanden verstehen, das heißt man kann durch Introspektion und eigene Erfahrung nachvollziehen, was jemand denkt und fühlt und warum er so handelt, wie er handelt. Man kann aber auch verstehen, wie man das Maximum einer Funktion berechnen kann. Das deutsche Wort verstehen meint also zwei sehr verschiedene Dinge: „Nachfühlen“ und „Herstellung einer logisch / kausalen Beziehung“.

Theoretisch ist in der Geschichte beides möglich. Man kann versuchen, sich in eine historische Figur „hineinzudenken“, man kann versuchten, „nachzufühlen“ was sie empfunden hat und so ihr Verhalten erklären. Wir haben das sehr stark bei der Wallenstein Biographie von Golo Mann. (Noch stärker dann in dem Drama Wallenstein von Friedrich Schiller.) Man kann eine historischen Prozess auch begreifen also eine Kausalkette, bei der ein Ereignis ein anderes so zwingend bedingt, wie der fallende Steil zu einer Beule am Kopf führt. Letzlich müsste diese Kausalkette aber aus der Psychologie abgeleitet werden, wobei noch niemand auf die Idee gekommen ist, Geschichte lediglich als die empirischen Daten zu sehen, aus denen psychologische Gesetzmäßigkeiten abgeleitet werden. (Plutarch vergleicht zwar Alexander den Großen mit Gaius Julius Caesar, leitet aber hieraus keine Gesetze ab.)

Geschichte hat es erstmal mit einem ziemlich wirren menschlichen Gewusel zu tun, aber hierin unterscheidet sich Geschichte nicht von der Volkswirtschaftslehre. Der Witz bei der Volkswirtschaftslehre besteht darin, weshalb sie sich ja den idiograpischen Wissenschaften zurechnet, dass sie menschliches Halten auf das Wesentliche reduziert: Nutzenmaximierung. Ausnahmlos alle ökonomischen Modelle, egal ob in der Mikro- oder der Makroökonomie, gehen davon aus, dass Menschen ihren Nutzen zu maximieren suchen, was ja weitgehend zutreffend ist. Die EZB z.B. kann sich zuverlässig darauf verlassen, dass der Zins dazu führt, dass die Wirtschaftsubjekte ihr Handeln an die jeweiligen Zinssätze anpassen und Änderungen im Preisgefüge eine ganze Kaskade an wirtschaftlich sinnvollen Anpassungsprozessen auslösen.

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