staunen, nicht ärgern

Kapitalismus und Marktwirtschaft

Das Problem hierbei ist, dass dies eben nicht reicht. Für einen demokratischen Entscheidungsbildungsprozess ist es schon entscheidend, ob die Leute die Unterschiede zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus verstehen, also überhaupt verstehen, was Marktwirtschaft ist. Erst dann kann man über die Defizite derselben nachdenken und unter Umständen korrigierend eingreifen, wenn dies sinnvoll ist. Wird aber die Relevanz des Markenkerns gar nicht verstanden, läuft bei eventuell nötigen Korrekturen Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Also, mal kurz und bündig, was ist der Unterschiede zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft? In der verschärften Variante, also bei Carlos Murx, ist der Kapitalismus ein System, bei dem die treibende Kraft der Weltgeschichte das Kapital ist. Was also bei Hegel der Weltgeist, ist bei Carlos Murx das Kapital. Das geht in Kürze so. Der Kapitalist, der bei Marx lediglich durch die Tatsache charakterisieiert ist, dass er Kapital hat, kann dumm wie Bohnenstroh, faul wie ein Sandsack, so innovativ wie ein Regenwurm sein, völlig egal. Hat er Kapital, wird er immer reicher. Den Unternehmer gibt es also gar nicht. Das Werk heißt auch nicht Der Kapitalist, sondern Das Kapital. Nicht der Kapitalist, also ein Mensch treibt die Weltgeschichte, sondern das Kapital. Die Frage ist nur, was ist eigentlich Kapital? Da kreiert er dann einen Haufen Begrifflichkeiten immer frei nach dem Motto, wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirre sie. Da ähnelt Carlos Murx den bekannten Wirtschaftberatungsgesellschaften wie KPMG, Arthuer de Little, Price Waterhouse. Die Quintessenz ist allerdings sehr simpel. Der Faktor Arbeit ist weitgehend homogen, also Qualifikation spielt keine Rolle. Da schwurbelt er zwar ein bisschen, die komplexe Arbeit ist nur ein vielfaches der einfachen Arbeit, aber im Grunde läuft das auf dasselbe hinaus. In der Realität ist das zwar ein bisschen anders, unter Umständen ist der mit der Qualifikation in einer weit besseren Machtposition als der mit dem Kapital und hat folglich die Möglichkeit, den Kapitalist zu expropriieren, aber bei Marx ist der Faktor Arbeit zu einem Preis zu haben, der lediglich die Reproduktion der Arbeitskraft, so nennt Marx das, garantiert, also das Existenzminimum, wofür eigentlich sagen wir mal zwei Stunden Arbeit ausreichen würden, der Kapitalist aber den Proletarier 10, 12 oder 14 Stunden arbeiten lässt. Lässt er ihn also 10 Stunden arbeiten anstatt 2, hat er einen Mehrwert von 8 Stunden, denn er sich dann in die eigene Tasche stopft. So akkumuliert sich dann Kapital, was allerdings immer noch nicht die Frage klärt, was Kapital eigentlich ist. Da wird zwar wieder hin- und hergeschwurbelt, konstantes Kapital, das lediglich zurückfließt und keinen Mehrwert schafft einerseits, variables Kapital, mit dem der Arbeiter bezahlt wird und einen Mehrwert schafft, aber das ist egal. (Wobei man sich nicht verwirren lassen darf. Mit den verschienen Typen von Kapital, die man z.B. aus der Kosten- und Leistungsrechnung kennt, fixes Kapital, variables Kapital, Einzelkosten, Gemeinkosten, variable Einzelkosten etc.. hat das gar nichts zu tun.) Schluss endlich wird Kapital zu Geld, das nennt Marx dann den Geldkristall, der ist wiederum in der marxschen Schwurbellogik inkorporierte Arbeit. Und das ist jetzt das Problem. Kapital ist eigentlich Geld und Geld ist nun mal ganz schnöde bedrucktes Papier bzw. eine Summe auf einem Girokonto. Davon produziert aber die EZB wenn ihr das gerade Spaß macht in einer Nacht mehr, als alle bösen Kapitalisten in einem Jahr allen Probletariern dieser Welt in zehn Jahren abressen können und sie wird das auch tatsächlich tun, wenn das Geld durch eine potentielles BIP in DER ZUKUNFT auch tatsächlich gedeckt ist, also man sich in der Zukunft was dafür kaufen kann. Abstrakter formuliert: Marx ist ein strammer Anhänger der klassischen Nationalökonomie, also vor allem von David Ricardo. Ökonomen wie Jean Baptiste Say, die zart andeuten, dass der Kapitalist ein Unternehmer ist und folglich einen Unternehmergewinn erzählt, sind bei Marx dann Vulgärökonomen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Die zwei zentralen Aspekte, die marktwirtschaftliche Ordnungen charakterisieren, also die dezentrale Steuerung der Allokation über Preise und die objektive Kontrolle über den Markt spielen bei Marx keine Rolle und folgerichtig kann in sozialistischen Wirtschaftsordnungen auch eine zentrale Stelle die gesamte Wirtschaft in Fünfjahresplänen planen. Das muss jetzt reichen. Näheres unter www.economics-reloaded.de.

Der Begriff Marktwirtschaft rückt einen ganz anderen Aspekt in den Vordergrund. Entscheidend ist die dezentrale Steuerung der Ressourcen über Preise und die objektive Kontrolle durch den Markt. Es gibt im Grund nur eine Ähnlichkeit zum Kapitalismus à la Carlos Marx. In beiden Systemen gibt es Privateigentum, wobei dies bei Karl Marx ein Problem ist, weil dann eben die Proletarier bis zum finale furioso ausgebeutet werden und der Prozess erst dann gestoppt wird, wenn die Expropriateure expropriiert werden. Ist das der Fall, sind alle Probleme gelöst. Wie die Ressourcen dann gesteuert werden, also wer dann bestimmt was, wie und in welchen Mengen produziert wird, ist bei Karl Marx ein derart triviales Problem, damit hat er sich nicht mal beschäftigt.

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