staunen, nicht ärgern

Kapitalismus und Marktwirtschaft

Der langen Rede kurzer Sinn: Die zwei zentralen Aspekte, die marktwirtschaftliche Ordnungen charakterisieren, also die dezentrale Steuerung der Allokation über Preise und die objektive Kontrolle über den Markt spielen bei Marx keine Rolle und folgerichtig kann in sozialistischen Wirtschaftsordnungen auch eine zentrale Stelle die gesamte Wirtschaft in Fünfjahresplänen planen. Das muss jetzt reichen. Näheres unter www.economics-reloaded.de.

Der Begriff Marktwirtschaft rückt einen ganz anderen Aspekt in den Vordergrund. Entscheidend ist die dezentrale Steuerung der Ressourcen über Preise und die objektive Kontrolle durch den Markt. Es gibt im Grund nur eine Ähnlichkeit zum Kapitalismus à la Carlos Marx. In beiden Systemen gibt es Privateigentum, wobei dies bei Karl Marx ein Problem ist, weil dann eben die Proletarier bis zum finale furioso ausgebeutet werden und der Prozess erst dann gestoppt wird, wenn die Expropriateure expropriiert werden. Ist das der Fall, sind alle Probleme gelöst. Wie die Ressourcen dann gesteuert werden, also wer dann bestimmt was, wie und in welchen Mengen produziert wird, ist bei Karl Marx ein derart triviales Problem, damit hat er sich nicht mal beschäftigt.

Der Schutz des Privateigentums ist eigentlich das einzige Moment, dass sowohl für den Kapitalismus wie auch für die Marktwirtschaft condition sine que non ist. Einmal wird das positiv gesehen und einmal negativ. Damit hören die Gemeinsamkeiten dann aber auf. Was für den Kapitalismus à la Karl Marx überhaupt kein Problem ist, ist für die Marktwirtschaft, das freie davor, also freie Marktwirtschaft, kann man sich schenken, weil das frei, im Sinne von Millionen Individuen treffen ihre ökonomischen Entscheidungen frei, in dem Begriff Marktwirtschaft bereits enthalten ist. Die freie Marktwirtschaft ist durch zwei entscheidende Moment charakterisiert. Die dezentrale Allokation der Ressourcen über Preise und die objektive Kontrolle durch den Markt. Ändern sich in einer marktwirtschaftlichen Ordnung die Preise, dann werden unter Umständen Millionen und Milliarden von Entscheidungen getroffen, die zu einer Reallokation der Ressourcen führen. Steigt z.B. der Preis für Öl, aus welchen Gründen auch immer, weil die OPEC ihn anhebt, weil die Erdölvorkommen definitiv zu Ende gehen, weil eine Ölpipeline irgendwo in die Luft geflogen ist, weil Afrika jetzt mehr Benzin braucht und es daher knapper wird etc. etc… Was der letztliche Grund ist, braucht eigentlich niemanden zu interessieren. Auf jeden Fall werden Millionen von Menschen dann umdisponieren. Manche lassen dann das Auto stehen und fahren mit dem Zug, manche kaufen sich ein kleineres Auto, manche denken darüber nach, sich ein mit Strom betriebenes Auto zu kaufen, der Einzelhandel wird dazu übergehen anstatt Plastitüten Papiertüten anzubieten, die Verpackungsindustrie wird darüber nachdenken, Verpackungen aus Bioplastics anzubieten, die Textilindustrie wird wieder vermehrt auf Baumwolle setzen. Wird Erdöl sehr teuer, wird es attraktiv in der Sahara Thermosolaranlagen zu bauen und den Strom zur Produktion von Wasserstoff zu nutzen, was wiederum bewirkt, dass Flugzeuge mit Wasserstoff betankt werden können etc. etc.. Jeder muss also nur in dem engen Umfeld entscheiden, wo er sich am besten mit den möglichen Handlungsalternativen auskennt. Wer z.B. sein Auto kaum nutzt, der wird sich deswegen kein neues kaufen, das lohnt sich dann nicht. Wer viel fährt, wird umsteigen. Durch das weniger an Sprit amortisiert sich das. Keiner sieht sich also veranlasst, die Kausalkette bis zum Schulss nachzuverfolgen. Wer es macht, der tut es, weil er Spaß daran hat. Nötig ist es nicht, um eine richtige Entscheidung zu treffen. Optimieren alle ihre Situation nach den jeweils vorliegenden optimalen Bedingungen, werden am Schluss die Ressourcen wieder optimal eingesetzt. Das hat Adam Smit mit der unsichtbaren Hand des Marktes zwar nicht gemeint, aber auch hier wirkt sie.

Optimale Ressourcenallokation heißt aber auch, dann sind wir schon eher bei Adam Smith, dass sich das Angebot an der Nachfrage orientiert und die Anpassung erfolgt über den Preis. Stellt ein Unternehmen gleich viele rote Sochen wie blaue Socken her, obwohl eine Präferenz für blaue Socken besteht, dann gibt es einen run auf blaue Socken, deren Preise werden steigen. Da die Herstellungskosten in beiden Fällen gleich ist, wird die Sockenindustrie mehr blaue Socken herstellen, da gibt es mehr zu verdienen. (Unter Umständen kommt es dann, das nennt sich Schweinezyklus, zu einer Überproduktion von blauen Socken, aber irgendwann nach mehreren Durchläufen kommt das System ins Gleichgewicht.) Es ist für eine zentrale Planungskommission schlicht unmöglich, vom Faktor Zeit mal ganz abgesehen, hier optimale Entscheidungen zu treffen. Hierfür müsste sie die Handlungsalternativen von Millionen von Menschen kennen. Das erscheint den Leuten, die Kapitalismus und Marktwirtschaft als Synonyme verwenden ein triviales Problem, tatsächlich ist es ein GEWALTIGES Problem. Wer jemals versucht hat, ein Produkt am Markt zu platzieren, der versteht, dass die Nachfrage äußerst schwer abzuschätzen ist und man sich an die Marktgegebenheiten nur langsam herantasten kann. Die Kunst besteht letztlich darin, herauszufinden, wie der Markt tickt ohne dabei pleite zu gehen. Weiß man wie der Markt tickt, ist der Rest ein Kinderspiel. Eine zentrale Planungskommission würde im stillen Kämmerlein heroische Entschlüsse fassen, aufgrund dieser Entschlüsse die Ressourcen steuern und in gewaltigem Umfang an der Nachfrage vorbeiproduzieren, bzw. da sie auch die technischen Handlungsalternativen nicht vollständig kennt, sehr ineffizient produzieren.

Endgültig bei Adam Smith und seiner unsichtbaren Hand sind wir, wenn es um den Anreiz geht. Dann haben wir auch gleich das zweite Moment, die objektive Kontrolle durch den Markt. Das Menschenbild der ÖKonomie ist bekanntlich, wie soll man sagen, sagen wir mal schlicht. Der berühmte homo oeconomicus ist bekanntlich lediglich ein Nutzenoptimierer. Das klingt erst Mal schlecht, wir würden uns ja eher Zeitgenossen wünschen, die an allen Fronten für das Wahre, Schöne und Gute streiten, aber bei genauer Betrachtung hat der Homo oeconomicus echte Vorteile. Ein Wirtschaftsystem, das funktioniert, ohne dass wir Freiheitshelden brauchen, ist eigentlich eine beruhigende Angelegenheit in Anbetracht der Tatsache, dass letztere selten sind. (Der Nutzenmaximierer stirbt im übrigen auch nicht für Volk und Vaterland, das ist ein weiterer Vorteil. Solange er nicht ganz persönlich was davon hat, bleibt der daheim. Machen das alle, gibt es keine Kriege mehr.) Um mal bei dem berühmten Beispiel von Adam Smith zu bleiben: Der Bäcker backt keine Brötchen um die Meschheit zu beglücken, sondern weil er Cash machen will. Das Business funktioniert aber nur, wenn er entweder bessere Brötchen, oder Neudeutsch, Berlinerisch oder was auch immer Schrippen, Wecken, Semmel etc., backt oder die Teile eben billiger verkauft. Haben wir also mehrere Bäcker im Umkreis von 1 km, können wir davon ausgehen, wenn sich die Halunken nicht absprechen, was verboten ist, dass wir die besten Brötchen zu einem akzeptablen Preis erhalten. Das wiederum kapieren viele Leute auch nicht und philosophieren auf Tausenden von Seiten darüber, ob der homo oeconomicus ein realistisches Menschenbild ist oder ob Mensch sich nicht doch um das Allgemeinwohl sorgen, Empathie empfinden, andere glücklich machen wollen oder was auch immer. Der Witz ist der: Das Konzept homo oeconomicuas MACHT NUR SINN, WENN ES EINGEBETTET IST IN DEN WETTBEWERB. In einer Wettbewerbsistuation ist es völlig egal, ob der Bäcker noch zusätzlich die Leute glücklich machen will oder nicht, da er in beiden Fällen seine Brötchen zum Grenzkostenpreis anbietet. Das heißt die Bäcker im Umkreis von 1 km Entfernung konkurrieren sich solange runter, bis der Preis des zuletzt verkauften Brötchens gerade die Grenzkosten deckt. (Das ist jetzt ein bisschen Mathe, aber das ist egal. Die Durchschnittskosten liegen dann immer noch unter den Kosten des zuletzt produzierten Brötchens, also die Bäcker verdienen noch was, aber am letzten Brötchen verdienen sie nix mehr und jenseits davon wird der Gewinn sogar wieder geringer. Wer das genauer wissen will, obwohl es komplett egal ist, der muss bei www.economics-reloaded.de bei Alfred Marshall nachschauen.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.