staunen, nicht ärgern

Staatsverschuldung lässt die Börse crashen, es sei denn die EZB flutet den Markt mit Geld

Man kann sich wundern. Die Wirtschaft rauscht ab und die Börsenkurse steigen auf ein Niveau, dagegen ist der Nanga Parbat geradezu ein Hügel. Allerdings wundern sich darüber nur Leute, die Volkswirtschaft studiert haben und dabei nie Keynes im Original gelesen haben. Wer Keynes nicht gelesen hat, der glaubt allen ernstens, dass Börsenkurse was mit der Dividende zu tun haben und der Preis einer Immobilie was mit der Miete. Die Wahrheit ist viel schlichter. Pumpt man Geld irgendwo hin, dann haben wir in diesem Bereich Inflation. Wenn alle Leute ihr Geld in Spielkasino nach Baden-Baden tragen, dann explodieren dort die Gewinne. Zumindest bei den Glücklichen, die auf die richtigen Zahlen gesetzt haben. Die anderen haben eben Pech gehabt. So ist das beim Glückspiel. Da geht kein Geld verloren, es wird nur umverteilt. Kasino ist zwar schlecht für die Wirtschaft und wenn alle Leute nur noch Aktien, Gold, Immobilien kaufen und verkaufen und wieder kaufen und verkaufen entsteht kein Mehrwert. Es gibt also keine Investitionen mehr in Innovationen, die Gesellschaft ist platt. Wenn die Chinesen dann in 5G Netze, Magnetschwebebahn, Elektroautos etc. investieren, geht es absehbar langsam den Bach ab, aber das ist jetzt nicht unser Thema und da es die SPD auch nicht interessiert, die beschäftigen sich mit der Frage, ob man die DSGV verschärfen muss. Also 50 Mal am Tag den Cookie Quark wegclicken reicht nicht, man muss das zweimal machen. Aber egal.

Die Frage ist, crashed die Börse, wenn die Staatsverschuldung zunimmt? Das müsste sie eigentlich, rein logisch betrachtet, es sei denn die EZB flutet den Markt mit Geld. (Was sie die letzten zehn Jahre ja getan hat.) Aus didaktischen Gründen vereinfachen wir mal radikal. Nehmen wir an es gibt bereits Staatsanleihen zum Stückpreis von 100 Euronen und darauf eine Dividende von 10 Euronen. Will der Staat jetzt neue Staatsanleihen plazieren, müssen die also attraktiver sein, als die, die bereits am Markt sind. Also entweder zahlt er mehr Dividende oder er Preis ist geringer, also z.B. 90 Euro. Das hätte zur Folge, dass alle Staatsanleihen im Wert sinken, z.B. auf 95 Euro pro Stück und 10 Euronen Dividende. War der Markt zwischen Aktienspekulation und Staatsanleihen bislang ausgeglichen, dann ist er das jetzt nicht mehr, soll heißen: Pensionskassen, Versicherungen, Banken, Hedge Fond etc. verkaufen Aktien und kaufen Staatsanleihen, bis der Markt wieder austariert ist. Damit sinken aber die Börsenkurse, da wird ja Geld abgezogen. Das wird, vor allem wenn die Aktien auf Kredit gekauft wurden, dazu führen, dass die Leute Panik bekommen, vermuten, dass die Party vorbei ist. Sie verkaufen also Aktien, was den Aktienkurs weiter drückt. Da die Spekulation lediglich auf die Steigerung der Aktie selbst setzt und nicht auf die Dividende, vermuten viele Leute, dass der Zenit überschritten ist und steigen aus. Die Börsenkurse fallen ins Bodenlose. Es wurden zwar keine Wert vernichtet, das passiert in einem Casion nie, aber es wurde umverteilt.

Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist ein Eingreifen einer Zentralbank, also z.B. der EZB. Die kann solange Staatsanleihen kaufen, das hat sie ja die letzten zehn Jahre gemacht, bis die Menge an Staatsanleihen konstant ist. Vereinfacht kauft sie also so viele Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt, wie die Staaten plaziere wollen. Hält den Preis also, in unserem Beispiel, auf 100 Euronen. Dann wäre das Verhältnis aus Staatsanleihen, Aktien, Gold, Immobilien und alle, mit dem man sonst noch spekulieren kann, ausgeglichen, bzw. würde von der EZB auf dem alten Niveau gehalten. Es muss ihr gelingen, den Abstand zwischen Staatsanleihen und Spekulation mit Aktien so gering zu halten, dass es zu keiner Panik an den Börsen kommt. Die Rentabilität der Staatsanleihen und die Spekulationsgewinne müssen also gleichmäßig sinken.

Das Ergebnis ist, dass die Staatsanleihen bei der EZB landen und die Staaten nicht mehr bei den Kapitalsammelstellen verschuldet sind, sondern bei der EZB. Theoretisch kann man das Spiel natürlich ewig treiben. Die Sache hat nur einen Haken. Die Geldmenge nimmt ständig zu. Normalerweise bekommen wir dann Inflation, aber die normalen Zeiten sind vorbei, weil jedes zusätzliche Geld wieder an der Börse landet, also zu gar keinen effektiven Nachfrage führt, die das Produktionpotential übersteigen könnte.

Allerdings glaubt auch kein Mensch, dass diese Schulden jemals zurückgezahlt werden. Hier könnte jetzt die EZB die Staatsanleihen auch im Kamin verfeuern, das war ja, etwas verklausulierter formuliert, die Idee von Yanis Varoufakis, dem griechischen Finanzminister. (Der sprach davon, dass man die Tilgungsdauer auf 100 Jahre streckt, das läuft aber auf dasselbe hinaus.) So genial ist die Idee mit verfeuern aber auch nicht, denn die Umverteilungswirkungen sind GEWALTIG. Die Leute, die an das Geld rankommen, bauen gewaltige Vermögen auf, denn das frisch gedruckte Geld landet bei den Kapitalsammelstellen, wenn die EZB denen die alten Staatsanleihen abkauft.

Fazit: Ohne die EZB würde die Börste crashen.

Allerdings kann man sich darüber streiten, ob der Steuerzahler wirklich die Zeche bezahlt. Platziert der Staat Staatseinnahmen und besorgt sich Geld am Kapitalmarkt, dann hat er, davon kann man ausgehen, auch vor, dieses Geld auszugeben. Wird also z.B. die Bundesagentur für Arbeit bezuschussen, damit diese Kurzarbeitergeld bezahlen kann, wird die Unternehmen unterstützen, die Corona bedingt keine Umsätze mehr haben, wird die Landwirtschaft subventionieren etc. etc. etc.. Also erstmal bekommt der Steuerzahler Geld, auch wenn diejenigen, die was bekommen nicht notwendigerweise die sind, die dann anschließend, zumindest in der Theorie, zwangsweise zur Tilgung der Schulden herangezogen werden. Steckt man aber die Tilgungsdauer, wird ein Großteil der Staatschulden sowieso weginflationiert, was harmlos ist, wenn die EZB die Staatsanleihen aufgekauft hat, denn die sitzt an der Quelle und ist nicht darauf angewiesen, dass irgendjemand sie mit Euronen versorgt. Hat sie keine mehr, kann sie auch welche drucken. Wird das Geld nicht an die Kapitalsammelstellen zurückbezahlt, gehen die pleite.

Fazit: Es wird schlussendlich auf das hinauslaufen, was Yanis Varoufakis schon vor ein paar Jahren vorgeschlagen hat. Die Tilgungsdauer der von der EZB gehaltenen Staatsanleihen wird gestreckt, bzw. die Staatsanleihen werden im Kamin verbrannt.

Sinnvoller wäre natürlich, das Geld würde nicht an der Börste landet, sondern für Innovationen verwendet werden. Dazu fehlt aber offensichtlich die Phantasie, wir verabschieden uns also ins Nirvana. Die solargetriebenen Wasserentsalzungsanlagen in Afrika bauen die Chinesen. Handlungsfähig ist nur noch die EZB.

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