staunen, nicht ärgern

Kann Sprache Emotionen wecken? Die Afd und dere Youngster followers

In diesem Kontext macht der Begriff Heimat im Gegensatz zum Vaterland sogar Sinn. Vaterland ist ja eher das, wo das zuständige Finanzamt ist. Der Autor dieser Zeilen wüsste gar nicht, wie er den Begriff Heimat, im Sinne wie Bloch ihn benutzt, ins Spanisch, Französisch, Italienische, Portugiesische könnte. Die haben alle nur Vaterland, patria / patrie im Angebot. Für Heimweh steht nur nostalgia / nostalgie zur Verfügung, also Sehnsucht, woran man dann noch de país / du pays / di casa dran kleben kann. Wenn wir davon ausgehen, dass es kein Wort für etwas gibt, dass keine Entsprechung in der Welt hat und auch noch nie eine hatte, dann muss das Wort irgendwann eine besondere Bedeutung gehabt haben, bzw. sich von Vaterland unterschieden haben. Leider lässt sich nicht mehr so richtig sagen was.

Sagen lässt sich was anderes. Alle Länder auf diesem Globus versuchen über ihr institutionelles Schulsystem, soweit vorhanden, eine nationale Identität zu schaffen. Mit dem Ergebnis, dass in Italien in jeder Staat eine Dante Statue steht und die Divina DREI Jahre in der Schule behandelt wird, in Spanien ähnliches mit Cervantes und Don Quijote zu finden ist und was den Spaniern ihr Cervantes ist den Engländern halt ihr Shakespeare bzw. den Franzosen ihr Molière. Der Ansatz ist natürlich vollkommen hoffnungslos, weil die Kids halt Pink Floyd, Rolling Stones, Eric Burdon oder was auch immer viel spannender finden und was sie für die Schule brauchen, gibt es bei Wikipedia oder neuerdings eben bei ChatGPT. Die Orginale sind entbehrlich. Erklären lässt sich das Phänomen schlicht dadurch, dass dort Leute beschäftigt sind, die ihr Geld hat mit der Vermittlung bestimmter Inhalte verdienen und wenig Interesse daran haben, dass diese Inhalte nun vergraben werden.

Einige Länder haben tatsächlich die Pflicht zur Erziehung zur Liebe zur Heimat in ihrer Verfassung, z.B. die von Baden-Württemberg. Allerdings stammt das Teil von 1952 und so weit der Autor das sieht, wurde das Teil seither nicht mehr runderneuert.

Verfassung des Landes Baden-Württemberg
(LV)
Vom 11. November 1953
Artikel 12

(1) Die Jugend ist in der Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit, zu beruflicher und sozialer Bewährung und zu freiheitlicher demokratischer Gesinnung zu erziehen.

(2) Verantwortliche Träger der Erziehung sind in ihren Bereichen die Eltern, der Staat, die Religionsgemeinschaften, die Gemeinden und die in ihren Bünden gegliederte Jugend.

Würde man jetzt von einem unbestimmten Rechtsbegriff sprechen, wäre das charmant formuliert. Recherchiert man im Internet, wem schön irgendwas psychologisch nachvollziehbares zur Heimatliebe eingefallen ist, findet man zwar alle möglichen kuriosen Fakten, etwa 56 Prozent aller Deutschen wohnen noch dort wo sie aufgewachsen sind oder nur ein paar Kilometer entfernt, was allerdings nicht die Frage beantwortet, ob sie ihre Heimat lieben. Wahrscheinlicher ist, die haben dort ein Haus geerbt und bleiben einfach da.

Dann haben wir noch ein Ministerium für HEIMAT und Inneres. Das beschreibt seine Aufgaben so.

„Unsere Heimatpolitik gestaltet Kernaufgaben einer modernen Gesellschaftspolitik: Sie zielt darauf ab, die plurale Demokratie zu stärken, gleichwertige Lebensverhältnisse zu ermöglichen sowie Zusammenhalt und Integration zu verbessern.
Wir setzen uns dafür ein, dass der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und der innere Frieden gestärkt werden, für Verständigung und Integration von Individuen und aller gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen, wie der Kirchen und Religionsgemeinschaften, der jüdischen Gemeinschaft, nationaler und deutscher Minderheiten, der Zuwanderer gleich welcher Herkunft und Nationalität.“

Das macht Sinn und trägt der Realität Rechnung, allerdings hätte man statt Heimatpolitik auch schlicht Politik schreiben können. Vermutlich wollte Seehofer die Seele der sich heimatlos fühlenden streicheln and Faiser hat das halt einfach stehen lassen.

Der Begriff Heimat taucht also immer wieder auf, es lässt sich aber keine fundierte Auseinandersetzung mit dem Begriff finden. Taucht der Begriff in der Literatur auf, beziehungsweise wird die Gesellschaft einer bestimmten Region beschrieben, etwa bei Jeremias Gotthelf: Uli der Knecht, George Elliot: The mill on the floss, George Sand: Les Maîtres Sonneurs oder wenn man will auch noch Wilhem Hauff: Das kalte Herz, dann geht es eher um Engstirnigkeit, begrenzter Horizont, Konflikte innerhalb der lokalen Gemeinschaft.

Vereinzelt kann man Beispiele finden, wo Heimat positiv besetzt ist:http://www.classic-rocks.com/english-irish-folk-music/the-oak-and-the-ash.html

Da sehnst sich ein Mädchen, das offensichtlich als Dienstmädchen in London arbeitet, zurück nach ihrer vertrauten Heimat in wahrscheinlich Schottland.

Einen ziemliche ausführlichen Artikel zu dem Begriff haben wir bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Heimat#%E2%80%9EHeimat_2.0%E2%80%9C. Der beschreibt allerdings mehr Probleme, die der Begriff aufwirft, als positive Visionen.

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