staunen, nicht ärgern

Didaktik versus Intelligenz

Didaktik nimmt inzwischen eine breiten Raum in der öffentlichen Debatte ein. Lehrer z.B. sollen sich vom Rest der Menschheit durch ihre didaktisch / pädagogischen Fähigkeiten unterscheiden. Diese hypostasierten Fähigkeiten sind der Dreh- und Angelpunkt bei der Frage, ob man Quereinsteigern den Zugang zur Lehrerlaufbahn ermöglichen soll oder nicht. Jedes Schulfach hat inzwischen eine Didaktik Abteilung: Didaktik der Mathematik, Didaktik der romanischen Sprachen, Didaktik der Literatur, Didaktik der Physik etc. etc.. Es wird also davon ausgegangen, dass der Lernprozess von der Didaktik abhängt.

Auf der anderen Seite haben wir eine genau so breite Debatte über Intelligenz. Da steht dann die Behauptung im Raum, dass manche Schüler nicht für das z.B. Gymnasium geeignet sind, wobei die Würfel in einem Stadium fallen, wo noch gar keine für diesen Schultyp relevanten Lerninhalte vermittelt wurden. Wie will man feststellen, ob ein neunjähriger / zehnjähriger eine Begabung hat für Sprachen, wenn das noch nie Thema war? Wie will man festellen, ob ein Viertklässler irgendwann Geistreiches zu dem Aufsatz von Kant „Was ist Aufklärung“ beisteuern kann, wenn solche Themen bis dahin noch nie angesprochen wurden? Was hat Trigonometrie oder Kurvendiskussion mit Rechnen zu tun?

Wir haben also zwei Strömungen, die entgegengesetzt verlaufen. Auf der einen Seite die Didaktik und auf der anderen Seite die, so die Behauptung, genetisch bedingte Intelligenz. Klären müsste man jetzt nur noch, welchen Anteil die Didaktik an einem Lernprozess hat und welche die Intelligenz und inwiefern das eine durch das andere kompensiert werden kann.

Kann die Didaktik Defizite in der Intelligenz, was immer das ist, kompensieren, dann könnte man sich das dreigliedrige Schulsystem auch sparen. (Was ja auch ein spezifisch deutsche Marotte ist.) Wenn es allein auf die Intelligenz ankommt, können wir uns die Didaktik sparen und auch qualifizierte Quereinsteiger in die Schulen lassen.

Vermutlich ist die Intelligenz ziemlich egal. Vermutlich kommt es auf die Didaktik an und die Komplexität der Umwelt. Das erklärt auch den Flynn Effekt. Wäre die genetisch bedingte Intelligenz die Grenze, dann wäre es nicht möglich, dass immer mehr Menschen hochkomplexe Tätigkeiten ausführen, wobei allerdings fraglich ist, was Intelligenz überhaupt ist. Was typischerweise gemessen wird, Ergänzung von Zahlenreihen nach dem Schema 3, 7, 12, 18, X bzw. die graphische Figur, die eine Reihe ergänzt, bzw. Aufgaben nach dem Schema welches Wort passt nicht in die Reihe, süß, laut, leise, verärgert etc. löst jeder Computer Tausend Mal schneller. Wenn das Intelligenz ist, sind wir eh alle Idioten, allerdings bauen Computer keine Computer. Weiter ist unklar, mit was das, was in Intelligenztests gemessen wird, eigenltich korreliert. Wenn es schlicht mit nichts korreliert, scheint es auch nichts zu sein, was besonders wichtig ist.

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