staunen, nicht ärgern

Der natürliche Zins nach Wicksell und die Deutsche Bundesbank

Die klassischen Nationalökonomie hat Schneisen der Verwüstung geschlagen, die nie mehr ausgeglichen werden können. Auch die Deutsche Bundesbank argumentiert im Jahre 2017 noch mit dem natürlichen Zins von Wicksell.Sie, bzw. irgendein dort beschäftigter Schreiberling, schreibt.

„Der natürliche Zins – nach Knut Wicksell „jene Rate des Darlehenszinses“, bei der der Gütermarkt im Gleichgewicht und das Preisniveau stabil ist – ist allerdings nicht direkt messbar. Zahlreiche Ver-fahren zu seiner Berechnung deuten in der Tat in vielen entwickelten Volkswirtschaften auf einen Rückgang seit etwa den 1980er Jahren auf ein nach der Finanzkrise außerordentlich niedriges Niveau hin. “
Quelle: https://www.bundesbank.de/resource/blob/693452/e4d12f682e03772c674f16b5c842f7d0/mL/2017-10-natuerlicher-zins-data.pdf

Die Grundidee dahinter ist so Asbach Uralt wie falsch und stammt von Adam Smith. Die Idee ist, dass der Zins eine Allokationswirkung hat, was tatsächlich zutrifft, allerding nur in einem, so gut wie nie auftretenden Spezialfall, nämlich in der Vollbeschäftigung. (Das erklärt auch, wie Adam Smith, David Ricard, John Stuart Mill, Jean Baptiste Say etc. etc., also die ganze Liga klassische Nationaökonomie auf die ausgeflippte Idee mit dem natürlichen Zins kommen. Die gingen davon aus, dass immer Vollbeschäftigung herrscht. )

Was soll das heißen, der natürliche Zins? In einer VOLLBESCHÄFTIGTEN Wirtschaft, gibt es einen trade off zwischen Produktion von Konsumgütern und Produktion von Investitionsgütern. Heißt konkret: Man kann nicht gleichzeitig mehr Waschmaschinen, Autos, Brötchen, Häuser, Yachten etc. bauen und gleichzeitig die Roboter, Öfen, Werkzeuge etc. die man braucht um erstere zu produzieren. Was passiert also in der Vollbeschäftigten Wirtschaft? Die Waschmaschinen und die Schneckennudeln sind teuer, es wird zuwenig davon produziert. Das wiederum erlaubt der Siemens AG, die stellen die Waschmaschinen her und dem Bäcker um die Ecke ordentlich Gewinne einzufahren und deshalb können die auch hohe Zinsen bezahlen. Sind die Zinsen aber hoch, dann wird es für die Leute attraktiv, die alte Waschmaschine noch eine Weile laufen zu lassen und die Brötchen selber zu backen. SIE SPAREN ALSO, wodurch der Konsum zurückgeht. Das wiederum setzt Resourcen frei. Also Ingenieure, Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe, Facharbeiter etc.. die sich jetzt, damit beschäftigen können, Öfen, Werkzeuge, Fließbänder, Fabrikhallen etc. zu bauen, die es dann wiederum erlauben, mehr Autos, Geschirrspülmaschenen, Kuchen etc. zu produzieren. Anders formuliert: Würden die Leute nicht sparen, was sie aufgrund der steigenden Zinsen tun, käme es zur Inflation, weil die Leute Krimskrams kaufen wollen, den es schlicht in der Menge, in der die Leute das haben wollen, nicht gibt. DAS GILT ABER NUR IN DER VOLLBESCHÄFTIUNG, von der auch Wicksell offensichtlich ausging, denn nach der Lektüre von David Ricardo ist das Gehirn endgültig und für alle Zeit zugenebelt. In der Vollbeschäftigung, und nur in der Vollbeschäftigung, sorgt der Zins für die Aufteilung von Konsumgütern und Investitionsgütern.

In der Unterbeschäftigung gibt es diesen trade off nicht. Da kann man sowohl Schiffe bauen und Brötchen bzw. Croissants backen. In der Unterbeschäftigung hat der Zins keinerlei Allokationsfunktion. Er kann schlicht auch NULL sein. Die Jungs und Mädels von der Hayek Front behaupten nun, dass ein niedriger Zins „Zombie Unternehmen“ künstlich am leben hält, was natürlich völliger Blödsinn ist. Die gehen davon aus, dass Kapital, was letztlich nichts anderes ist als Geld und von der EZB in jeder x-beliebigen Menge gedruckt werden kann, knapp ist und der niedrige Zins dazu führt, dass dieses „Kapital“, was eine Fatamorgana ist, da erliegen sie dem gleichen Irrtum wie Carlos Murx von der anderen Seite des Spektrums, in wenig produktiven Bereichen gebunden ist. Was aber in unbegrenzter Menge vorliegt, kann man gar nicht suboptimal einsetzen. Man kann auch nicht argumentieren, dass es gut wäre, wenn man den Sand für die Spielplätze für die Kids besser in den Wohnungsbau stecken würde, denn Sand gibt es in Hülle und Fülle.

Knapp ist know how, also die Ingenieure, Facharbeiter, bestimmte Rohstoffe, eventuell Gewerberaum etc.., aber die rentablere Investition kann für diese Vorleistungen immer mehr bezahlen, kann also diese wirklich knappen Ressourcen immer anziehen und sie damit der effizienteren Verwendung zuführen. Das funktioniert so seit ein paar Hundert Jahren. Der Sektor Landwirtschaft ging zurück, weil die Industrie mehr bezahlen kann, mit dem Ergebnis, dass immer mehr Leute, die ursprünglich in diesem Sektor tätig waren, in die Industrie abgewandert sind.

Fazit: Außer in dem Spezialfall Vollbeschäftigung gibt es keinen natürlichen Zins.

Auch die Wicksell zugeschriebenen Unterscheidung zwischen natürlichem Zins und Marktzins finden wir schon bei Adam Smitz, ist also älter als die grünen Hügel Afrikas, was das Ding allerdings nicht richtiger macht. Natürlich kann die EZB den Marktzins auf Null drücken, das tut sie ja derzeit seit nunmehr zehn Jahren. Ein niedriger Zins führt natürlich dazu, dass alle Leute beim Media Markt abräumen und sich das neueste Glotzophon auf Kredit kaufen, was wiederum, zumindest in der Theorie, also bei Vollbeschäftigung, dazu führen würde, dass das total geile Smartphone von Apple immer teurer wird, weil es nicht in ausreichender Menge produziert wird. Ein höherer Zins würde dazu führen, in der VOLLBESCHÄFTIGUNG, dass die Leute mehr sparen, Apple seine Produktionskapazitäten ausdehnen würde und dann mehr iPhones produziert werden könnten. Fakt ist aber, dass Apples sowohl Ingenieure einstellen kann, die die Roboter bauen, wie auch Ingenieure, die die Smartphones bauen. Weltweit gibt es nie, absolut nie, Vollbeschäftigung.

Der Zins kann ad calendas graecas oder bis zum Sankt Nimmerleinstag Null sein, im Zweifelsfalle hat der Zins lediglich eine Verhinderungswirkung. Erwirtschaftet ein händisch betriebene Mülltrennungsanlage kaum Rendite, so würde ein hoher Zins sie platt machen und die dort Beschäftigten, also gering qualifizierte, würden ihren Job verlieren und keinen neuen finden, was marktwirtschaftlich Schwachsinn wäre. Die machen eine sinnvolle Arbeit.

Der Zins hat eine total andere Funktion und wird von der EZB nach ganz anderen Kriterien festgesetzt. Verliert z.B.die nationale Währung an Wert, dann wird sie unter Umständen den Zins erhöhen. Ausländisches Kapital wird diese Währung dann nachfragen, wodurch deren Wert steigt. Umgekehrt, umgekehrt. Ist die Währung nach Meinung der EZB überbewertet, wird sie den Zins senken und damit den Ankauf von Fremdwährung gegen eigene Währung fördern, was zu einer Abwertung führt. Über diesen Weg kann sie dann auch Einfluss nehmen auf das Leistungsbilanzüberschüsse oder Defizite. Über den Zins hat sie auch Einfluss auf die Arbeitslosigkeit. Ein niedriger Zins erlaubt es auch mittleren Einkommen Häuser zu bauen, was die Bauindustrie zum brummen bringt. Bei Inflation wird sie mit einem hohen Zins gegensteuern, was allerdings ein Rasenmäher Methode ist, weil sie dann auch wenig rentable Unternehmen aus dem Markt wirft.

Fazit: Es wird jetzt mal Zeit, die Begriffe zu klären und Begrifflichkeiten, die zur Analyse konkreter Probleme nichts beizutragen, einfach mal zu vergessen bzw. auf dem Müllhaufen zu entsorgen. Es macht auch keinen Sinn, den ganzen Blödsinn an allen Universitäten dieser Welt jedes Jahr auf’s neue zu predigen. Den Müll einfach entsorgen und vergessen. Das wäre hilfreich.

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